Eine ältere Frau am Küchentisch streicht mit rauen Händen über das Tischtuch, während warmes Licht durch das Fenster fällt

Das Gewicht von „Zfrieda muss ma si“

Es war einmal eine ältere Dame, die ihrer Umgebung immer wieder dieselben vier Worte mitgab: „Zfrieda muss ma si.“ Wenn die Jungen am Küchentisch saßen und darüber klagten, was alles fehlte, was der Nachbar Neues hatte oder wie ungerecht die Welt war, strich sie mit ihren rauen Händen langsam über das Tischtuch, lächelte leise und sagte diesen Satz. Für viele klang es wie ein einfacher Spruch alter Leute. Wie etwas, das man leicht dahinsagt, wenn man in einer warmen Stube sitzt und das Gröbste hinter sich hat. ...

Gesellschaft · 1. November 2026 · 2 Minuten · René Jochum
Braucht es ein Dorf? – Ein hölzernes Longboard in einer warm beleuchteten Nachbarschaftsstraße im Abendlicht

Braucht es ein Dorf?

Vor ein paar Tagen war ich draußen mit dem Longboard unterwegs. In der Nachbarschaft wohnt ein Kind, mit dem ich inzwischen öfter ein paar Runden drehe. Als wir uns heute wieder begegnet sind, kam zur Begrüßung nicht einfach nur ein „Hallo“. Es sah mich an und sagte ganz selbstverständlich: „Ich habe dich vermisst.“ Ein kleiner Satz, ehrlich und ungefiltert. Ich bin in dem Moment kein Pädagoge und mache nichts Besonderes – ich fahre einfach nur mein Board. Und trotzdem hat dieser eine Satz meinen ganzen Tag heller gemacht. Er holt einen sofort ins Hier und Jetzt. ...

Gesellschaft · 31. Oktober 2026 · 3 Minuten · René Jochum
Ein spätes Vergelt's Gott – Menschen verschiedener Generationen und Herkunft sitzen in warmer Abendstimmung vor der Vorarlberger Bergkulisse beisammen

Ein spätes „Vergelt's Gott“ – Ein Danke an alle, die Vorarlberg mitaufgebaut haben

Vorarlberg war lange Zeit ein bitterarmes Land. Ein Land, das seine eigenen Kinder als Schwabenkinder über die Berge in die Fremde schicken musste, weil es daheim nicht für alle gereicht hat. Heute schauen wir auf saubere Gemeinden, starke Betriebe im Rheintal und im Walgau, Kraftwerke in den Bergen und einen Wohlstand, um den uns viele beneiden. Und oft tun wir so, als wäre das alles ganz selbstverständlich aus dem Boden gewachsen – nur durch unseren eigenen Fleiß. ...

Politik · 30. Oktober 2026 · 4 Minuten · René Jochum
„Zfrieda muss ma si“ – Eine zufriedene Tischrunde mit der Oma im warmen Abendlicht

„Zfrieda muss ma si“ – Warum Zufriedenheit das Gegenteil von Stillstand ist

Vor Kurzem wurde in einem Forum die Frage nach der perfekten Welt gestellt. Wenn man die politischen Debatten unserer Tage verfolgt, klingt die Antwort darauf meistens nach mehr Tempo, mehr Wachstum, härteren Kanten oder dem nächsten großen Systemumbau. Meine Antwort fiel anders aus. Leiser. In meinem perfekten Dorf – einer Region, einem Land, einem Kontinent oder gar einer Welt – ist man vor allem eines: zufrieden. Meine Oma hat mir früher oft einen Satz gesagt, der mir bis heute im Ohr geblieben ist: „Zfrieda muss ma si.“ Zufrieden muss man sein. Sie gehörte einer Generation an, die wenig hatte und viel daraus machen musste. Doch in ihrem Satz lag keine Resignation und kein Sich-Abfinden mit Ungerechtigkeit. Darin lag die tiefe Weisheit, wann es genug ist – und welche Ruhe einkehrt, wenn man aufhört, ständig dem nächsten Mangel hinterherzujagen. ...

Gesellschaft · 28. Oktober 2026 · 3 Minuten · René Jochum
Uf a nand luaga – Zehn Haltungen für ein gemeinsames Österreich

Uf a nand luaga – Zehn Haltungen für ein gemeinsames Österreich

Hinweis: Mein persönliches Ideenkonstrukt für zehn Haltungen. Das hier ist keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern eine Vermutung – gewachsen aus historischen Beobachtungen, Gesprächen und Erfahrungen, die ich über die Jahre von überall her zusammengesammelt habe. Wer mag, hört beim Lesen: § 1 Gemeinsamkeit. In Zeiten des Mangels war der Rückzug in die eigene Gruppe überlebenswichtig; heute sitzen wir alle im selben Boot – egal ob jung oder alt, ob schon immer hier oder zugezogen. Statt in alte Abwehrreflexe von Spaltung und Gegeneinander zurückzufallen, nutzen wir das, was wir in Österreich über Generationen gelernt haben: Wir bringen unterschiedliche Interessen an einen Tisch, suchen den tragfähigen Kompromiss – und packen die Dinge gemeinsam an. ...

Politik · 22. Oktober 2026 · 11 Minuten · René Jochum

Zwei Griffe und ein Verstärker - Die verstorbene Punk-Szene Vorarlbergs

Dieser Artikel geht an einen fast vergessenen Anfang zurück — an den Moment, wo Rebellion in Vorarlberg tatsächlich passiert ist. Kurz. Laut. Und dann war es vorbei. Feldkirch, 1977: Zwei Wochen bis zum ersten Konzert Ende 1977 taten sich im Jugendhaus Graf Hugo in Feldkirch ein paar Jugendliche zusammen. Galle, Franz, Slaughter und Chy — vier Typen, die vom Punk in England gehört hatten, über das deutsche Magazin Sounds und, ja, die Bravo. Die Initialzündung kam nicht aus Wien, nicht aus Innsbruck und schon gar nicht aus irgendeiner österreichischen Institution. Sie kam aus einem Zürcher DIY-Fanzine namens „No Fun", herausgegeben von Peter Wittwer und Martin Byland. Darin stand ein Satz aus einer englischen Punk-Zeitschrift: „Buy a guitar, learn a C, learn a D, learn a E and join a band." ...

Gesellschaft · 7. März 2026 · 7 Minuten · René Jochum

Über mich

Ich schreibe über Softwarearchitektur, weil ich sie liebe. Lange dachte ich, das wäre der einzige Grund. Ich liebe es auch, anderen Leuten was beizubringen. Durch das Teilen ist vieles besser geworden, und in der Software schließt „gemeinsam“ inzwischen die Werkzeuge ein, mit denen wir arbeiten. Sie übernehmen nicht die Welt und sie nehmen keine Arbeitsplätze weg, nicht bald und nicht in einem Zeitraum, den ich benennen würde. Bei Software sind sie gut. ...

6. März 2026 · 3 Minuten · René Jochum