Vom Geringsten zum Niemand — Über die unsichtbaren Schäden des Schubladendenkens

Wir sortieren Menschen. Täglich, unbewusst, in Sekundenbruchteilen. Obdachlos. Arbeitslos. Süchtig. Gescheitert. Die Schublade geht auf, der Mensch geht rein, die Schublade geht zu. Was drin ist, sehen wir nicht mehr — wir sehen nur noch das Etikett. Was die Schublade mit dem Menschen macht Wer klassifiziert wird, verliert zuerst seinen Namen. Nicht den auf dem Ausweis — den inneren. Den Namen, der sagt: Ich bin jemand. Ich habe eine Geschichte. Ich habe etwas beigetragen. ...

6. März 2026 · 2 Minuten · René Jochum

Familien reden - über alles

„Mein Doktor sagt, ich hab die krasseste Version der psychischen Diagnosen." So sage ich das. Bipolar Typ 1, mit Psychosen. Ich sage das in der Bar, beim Kaffee, beim Spaziergang. Offen. Direkt. Seit Jahren. Was dann passiert, ist fast immer dasselbe: Die Menschen fangen an zu reden. „Mein Bruder hat das auch." „Meine Tante war jahrelang in der Klinik." „Bei uns redet da halt keiner drüber." Manchmal wollen sie Last abladen. Manchmal wollen sie verstehen. Manchmal beides. ...

4. März 2026 · 6 Minuten · René Jochum