Wie es ist, mit der Diagnose Bipolar 1 zu leben – Porträt von René Jochum neben dem Symbol :(:

Wie es ist, mit der Diagnose Bipolar 1 zu leben – aus dem Leben eines Betroffenen

„Bipolar“ klingt für viele nach einem bloßen Wechsel aus guter und schlechter Laune. Bei mir steht auf dem Papier allerdings Bipolar 1 mit psychotischen Symptomen – und wenn ich vollmanisch bin, hat das mit „guter Laune“ nichts mehr zu tun. Es fängt oft konstruktiv an: Ich habe unzählige Ideen, meistens mit dem ehrlichen Antrieb, Dinge grundlegend zu verbessern. Aber mein Kopf schaltet dabei in eine Geschwindigkeit, der von außen kaum noch jemand folgen kann. Es gibt keinen Filter mehr zwischen Denken und Sprechen – fast jeder Gedanke muss in exakt der Sekunde raus, in der er entsteht. Gleichzeitig bricht mein Kurzzeitgedächtnis weg: Was ich vor Tagen oder auch nur vor wenigen Momenten gesagt habe, ist fast im selben Augenblick wieder gelöscht. Es existiert nur noch dieses hochbeschleunigte Jetzt. ...

Eine harte Grenze tötet das Innenleben

Eine harte Grenze tötet das Innenleben

Eine der Regeln, nach denen ich Software baue, heißt: Vorgaben außen, Freiheit innen. Die Bedingungen gehören an den Rand. Was drinnen passiert, darf dann direkt sein. Keine Funktion muss sich gegen ihre eigenen Aufrufer verteidigen, weil am Rand schon entschieden wurde, was hereinkommt. Die Grenze ist da, damit es innen frei wird. Bei Menschen kippt das. Was die Grenze im Code macht Sie sagt, was durchgeht. Mehr nicht. Sie sagt nichts darüber, was drinnen ist, wie es arbeitet, wie es sich ändern darf. Genau deshalb funktioniert sie: sie beschreibt einen Übergang, keinen Inhalt. Was innen liegt, bleibt seine eigene Sache. ...

Gesellschaft · 22. August 2026 · 5 Minuten · René Jochum

Augenhöhe oder was die KI nicht kann

Dinge, die eine Maschine nicht hat oder die nur mit einem lebendigen Gegenüber funktionieren Ein Herz haben. Wahre Hoffnung geben. Zwischen den Zeilen lesen. Ironie. Zusammenhalten. Der gute Wille. Erfahrung sammeln bei derselben Tätigkeit – wie der alte Mechaniker, der weiß, wo der Hammerschlag hingehört, weil er dreißig Jahre an diesem Motor gearbeitet hat. Der Punkt, der mich am meisten beschäftigt, war der letzte. Ich arbeite seit einer Weile mit Menschen in Sucht und psychischer Krise. Mein Anker dort ist nichts, was ich in einer Ausbildung gelernt habe. ...

Gesellschaft · 20. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum