Geburtenrate – Gott erlaubt Fehler

Geburtenrate - Gott erlaubt Fehler

Die Geburtenrate sinkt. Alle reden über Geld und Wohnungen. Das stimmt. Trotzdem trifft es den Kern nicht. Der Kern ist Angst Menschen bekommen keine Kinder, weil sie sich die Zukunft nicht mehr vorstellen können. Weil sie glauben, sie müssten perfekt sein, um Eltern zu sein. Weil ein Fehler heute genügt, um disqualifiziert zu werden. So fühlt es sich an. Das erstickt. Was ich als gläubiger gelernt habe: Gott vergibt. Gott will sogar, dass wir Fehler machen, um daraus zu lernen. Das ist keine Schwäche. Das ist der Boden, auf dem ein Mensch überhaupt leben kann. ...

23. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum
Kickl sorgte mit seinem Sager am 1. Mai für Wirbel. (Bild: APA/FOTOKERSCHI.AT/KERSCHBAUMMAYR)

Die "gesunde Watschn" — ein politisches Armutszeugnis

Herbert Kickl fordert eine gesunde Watschn für Kinder. Das Adjektiv ist ein rhetorischer Trick. Es soll Gewalt zur Medizin machen. Als gäbe es eine kranke Watschn und eine gesunde. Als wäre die Grenze zwischen Erziehung und Misshandlung eine Frage der Dosierung. Ist sie nicht. Kinder können nie was dafür. Sie machen, was ihnen Eltern, Umgebung und Kultur beigebracht haben. Jedes “schwierige” Verhalten eines Kindes ist eine Botschaft über das System, in dem es lebt. ...

21. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum

Land der Masse

Beim Korrespondentendinner in Washington saß ein älterer Herr ruhig aufrecht und aß seine Burrata. Schüsse. Panik. Er blieb sitzen. Schlechter Rücken, sagte er hinterher. Neuer Smoking. Schmutziger Boden. Das ist cool. Das ist auch ein Bild für etwas Größeres. „Tausende aus der journalistischen und politischen Elite des Landes haben nun das durchgemacht, was zahllose andere Amerikaner in ihren Schulen, Büros, Einkaufszentren und Kirchen miterleben mussten." — Brian Stelter, CNN, nach dem Attentat beim Korrespondentendinner Washington 2026 ...

28. April 2026 · 2 Minuten · René Jochum

Manifest für die Musikbox — Ein mutigeres Österreich

Dieses Manifest entstand aus einem Gespräch über eine Musikbox. Jemand geht mit mittlerer Lautstärke durch Feldkirch und fragt sich, ob das eine gute Idee ist. Aus dieser Frage wurden drei Artikel und eine Erkenntnis: Österreich hat kein Lautstärkeproblem. Es hat ein Erlaubnisproblem. I. Die Diagnose Frankreich hat in seine Verfassung geschrieben, dass Widerstand gegen Unterdrückung ein Grundrecht ist. Österreich hat in seine Kultur geschrieben, dass man nicht auffallen soll. Die Wissenschaft bestätigt das. Hofstede misst es. Milgram beweist es im Labor: 80 Prozent Gehorsam. Die Streikstatistiken zeigen es in Zahlen. Die Sozialpartnerschaft institutionalisiert es. Die Medienlandschaft zementiert es. Und die Punk-Szene in Vorarlberg — die kürzeste Rebellion der österreichischen Kulturgeschichte — zeigt, was passiert, wenn der Impuls da ist, aber die Räume fehlen. ...

7. März 2026 · 4 Minuten · René Jochum

Rebellion als Bürgerpflicht - Was Österreich von Frankreich lernen kann

In Frankreich ist Widerstand kein Störfaktor. Er ist Bürgerpflicht. Diese Haltung ist keine Laune, kein Nationalklischee und kein Temperament — sie ist das Ergebnis einer Geschichte, die sich über Jahrhunderte konsequent wiederholt hat. Wer verstehen will, warum Millionen Franzosen wegen einer Rentenreform wochenlang auf die Straße gehen, während in Österreich bestenfalls ein Leserbrief geschrieben wird, muss diese Geschichte kennen. Es beginnt vor der Revolution Schon im Mittelalter war Frankreich ein Land der Aufstände. Die Jacquerie von 1358 — ein Bauernaufstand im Norden Frankreichs — war einer der heftigsten. Ausgebeutete Bauern, die unter den Folgen von Pest, Krieg und feudaler Willkür litten, griffen zu den Waffen. Der Aufstand wurde brutal niedergeschlagen, aber er setzte ein Zeichen: Die Unterdrückten haben eine Stimme, und sie werden sie benutzen. ...

7. März 2026 · 15 Minuten · René Jochum

Wer kontrolliert die Kontrolleure? Rebellion und Medien in Frankreich und Österreich

Folgeartikel zu: „Rebellion als Bürgerpflicht: Was Österreich von Frankreich lernen kann" Im ersten Artikel ging es um die Straße — um den Unterschied zwischen einer Kultur, die Protest als Bürgerpflicht versteht, und einer, die ihn als Störung empfindet. Aber Rebellion findet nicht nur auf der Straße statt. Sie findet auch — vielleicht sogar zuerst — in den Medien statt. Oder eben nicht. Die Frage ist nicht nur: Wer geht auf die Straße? Sondern: Wer erzählt davon? Wer entscheidet, was die Öffentlichkeit erfährt? Und wer bezahlt dafür? ...

7. März 2026 · 10 Minuten · René Jochum