Die Angst vor der Stille – Eine rote Holzbank mit einem angelehnten Mountainbike unter einem Baum auf einer Anhöhe, dahinter ein weites Bergpanorama unter blauem Himmel

Die Angst vor der Stille

Viele Menschen glauben, sie hätten einfach nur gern Trubel um sich. Sie lassen den Fernseher nebenbei laufen, greifen in jeder freien Sekunde zum Handy, stürzen sich in Arbeit oder suchen den nächsten Reiz. Ich kenne das von mir selbst. Lange war das keine Lust am Leben – es war die Flucht vor der Stille. Denn sobald um mich herum das letzte Geräusch wegfällt und ich einfach nichts tue, stehe ich plötzlich vor einem Berg. Unten im Lärm des Tals konnte ich mir noch aus dem Weg gehen. Aber hier, am Fuß der Stille, gibt es kein Entrinnen mehr. Es bleibt nur das „Ich“ übrig. Ungeschönt, ohne Ablenkung, ohne Rolle, ohne Ausreden. Nur ich und die Stimmen in meinem Kopf. ...

Die stille Gewalt des Opferseins

Die stille Gewalt des Opferseins

Es gibt eine Form von Selbstzerstörung, die sich anfühlt wie Schutz. Sie heißt: Ich bin das Opfer, alle anderen sind schuld. Ich kenne diese Haltung von innen. Über Jahre war ich der Arme. Wenn etwas nicht klappte, lag es an den Umständen oder an den Menschen um mich. Vor allem an meinen Eltern. Sie waren jahrelang die Adresse für meine Schuldzuweisungen, für vieles, wofür ich selbst hätte einstehen müssen. Inzwischen haben wir alles geklärt. Ich habe mich bei ihnen entschuldigt, auf eine Art, die mir wichtig war. Zwischen uns ist Frieden. Gerade weil dieser Frieden da ist, kann ich heute klarer auf das schauen, was ich damals war: ein Mensch, der niemandem etwas Schlechtes wollte und der trotzdem viel Schaden angerichtet hat. ...

Unterdrückte unterdrücken, freie machen frei

Ich schreibe das nicht aus der Theorie. Ich war lange genug Opfer, um zu wissen, wie sich das anfühlt von innen. Und ich habe selbst unterdrückt — Menschen klein gemacht, mich an ihnen entlastet, die Last weitergegeben, die auf mir lag. Beides gehört zu mir. Beides ist nicht zu beschönigen. Heute bin ich frei. Oder genauer: ich bin auf dem Weg. Ich versuche, ein Krieger des Lichts zu sein, im Sinne Coelhos — also einer, der fällt, wieder aufsteht, zweifelt, weitergeht. Kein Held. Ein Übender. ...

Je weniger, desto mehr

Die Alten bauten auf: Straßen, Häuser, Wissen, Frieden. Wir erbten es. Das verdient Respekt. Heute haben wir alles. Informationen. Wahl. Komfort. Reize ohne Ende. Und verlieren dabei: Tiefe. Ruhe. Spielraum im Kopf. Wer alles hat, muss lernen, nichts zu haben. Jesus ging in die Wüste. Mohammed in die Höhle. Beide hatten eine Weile nichts. Erst dann kam das, wofür wir sie kennen. In der Leere wird der Blick klar. Ohne Geräusch hört man das Eigene. Ohne Besitz hat man die Hände frei. ...

Die Mitte liegt in der Dualität

Die Mitte liegt in der Dualität

Wer mag, hört beim Lesen: Manie und Depression. Tag und Nacht. Licht und Schatten. Lange habe ich gegen einen der Pole gekämpft. Ich habe geglaubt, einer sei mein Feind. Ich habe geglaubt, ich müsste mich entscheiden. Heute weiß ich es besser. Die Freiheit kommt zuerst. Sie ist das Erste, was wir bekommen — von Gott, vom Leben, von dem, was uns trägt. Mit ihr entscheide ich jeden Tag, wie ich mit beiden Polen lebe. ...

Über den Tellerrand denken als Beruf

Ich war nie gut darin, in der Spur zu bleiben. Mein Kopf zieht permanent Verbindungen, die in der Spur schlicht nicht vorgesehen sind. Theologie und Geopolitik. Musik und Spiritualität. Österreichische Enge und globales Denken. Das wurde mir oft als Unzuverlässigkeit ausgelegt. Als wäre “fokussiert bleiben” ein Synonym für “weniger weit sehen.” Ich bin in einer konservativen Kultur aufgewachsen. Österreich hält seine Formen. Das hat seinen Wert — Kontinuität, Tiefe, Verwurzelung. Aber es kostet auch etwas: Wer quer denkt, zahlt dafür. Mit Isolation. Mit dem Gefühl, nie ganz dazuzugehören. ...

Mein Weg zum authentischen Selbst

Der Mensch will gut sein. Der Kompass sitzt im Herzen. Der Sensible besonders. Er will nicht verletzen — und genau das macht ihn klein. Er schluckt, er passt sich an, er wartet. Dabei ist das Gegenteil wahr: wer keine Grenzen setzt, ist nicht authentisch. Er ist nur höflich. Grenzen setzen braucht den Schatten. Wer nur sein Licht kennt, kann kein Nein sagen — denn das Nein kommt aus dem dunklen Teil, dem der auch kämpfen kann, der auch schützen kann. Den eigenen Schatten kennenlernen und erlauben ist keine Niederlage. Es ist die Voraussetzung für echte Grenzen. Und für echte Authentizität. ...

Ich brauche einen Motivator

Ich bin seit über zwanzig Jahren süchtig nach einem Bildschirm. Nach einem Muster. Darunter liegt der Hunger nach Aufmerksamkeit — danach, gesehen zu werden. Wenn ich aufpasse, kann ich damit leben. Wenn ich es vergesse, bin ich sofort wieder drin. Mir hat die Frage — “Was ist der Sinn deines Lebens?” — immer geschadet. Sie war und teilweise ist zu groß. Was mir geholfen hat, war etwas anderes. Dienen So weit ich zurückdenken kann, wollte ich dienen und der Gemeinschaft etwas zurückgeben — dem Staat, den Menschen um mich herum. ...

Weniger reden, mehr sagen

Die Art, wie ich kommuniziere, verändert sich laufend. Sichtbar wird das bei der Arbeit an einem technischen Projekt, bei dem KI Teil meines Alltags ist. Ich arbeite dabei aktuell alleine. Was sich verändert, ist nicht nur was ich sage, sondern wie viel, wann und mit welchen Grenzen. Das ist noch lange nicht fertig. Aber ich merke, dass etwas passiert. Ich habe schon immer zu viel geredet Das ist nicht neu. ...