Die stille Gewalt des Opferseins

Die stille Gewalt des Opferseins

Es gibt eine Form von Selbstzerstörung, die sich anfühlt wie Schutz. Sie heißt: Ich bin das Opfer, alle anderen sind schuld. Ich kenne diese Haltung von innen. Über Jahre war ich der Arme. Wenn etwas nicht klappte, lag es an den Umständen oder an den Menschen um mich. Vor allem an meinen Eltern. Sie waren jahrelang die Adresse für meine Schuldzuweisungen, für vieles, wofür ich selbst hätte einstehen müssen. Inzwischen haben wir alles geklärt. Ich habe mich bei ihnen entschuldigt, auf eine Art, die mir wichtig war. Zwischen uns ist Frieden. Gerade weil dieser Frieden da ist, kann ich heute klarer auf das schauen, was ich damals war: ein Mensch, der niemandem etwas Schlechtes wollte und der trotzdem viel Schaden angerichtet hat. ...

27. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum

Unterdrückte unterdrücken, freie machen frei

Ich schreibe das nicht aus der Theorie. Ich war lange genug Opfer, um zu wissen, wie sich das anfühlt von innen. Und ich habe selbst unterdrückt — Menschen klein gemacht, mich an ihnen entlastet, die Last weitergegeben, die auf mir lag. Beides gehört zu mir. Beides ist nicht zu beschönigen. Heute bin ich frei. Oder genauer: ich bin auf dem Weg. Ich versuche, ein Krieger des Lichts zu sein, im Sinne Coelhos — also einer, der fällt, wieder aufsteht, zweifelt, weitergeht. Kein Held. Ein Übender. ...

21. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum

Je weniger, desto mehr

Die Alten bauten auf: Straßen, Häuser, Wissen, Frieden. Wir erbtens. Das verdient Respekt. Heute haben wir alles. Informationen. Wahl. Komfort. Reize ohne Ende. Und verlieren dabei: Tiefe. Ruhe. Spielraum im Kopf. Wer alles hat, muss lernen, nichts zu haben. Jesus ging in die Wüste. Mohammed in die Höhle. Beide hatten eine Weile nichts. Erst dann kam das, wofür wir sie kennen. In der Leere wird der Blick klar. Ohne Geräusch hört man das Eigene. Ohne Besitz hat man die Hände frei. ...

19. Mai 2026 · 1 Minute · René Jochum

Die Mitte liegt in der Dualität

Manie und Depression. Tag und Nacht. Licht und Schatten. Lange habe ich gegen einen der Pole gekämpft. Ich habe geglaubt, einer sei mein Feind. Ich habe geglaubt, ich müsste mich entscheiden. Heute weiß ich es besser. Die Freiheit kommt zuerst. Sie ist das Erste, was wir bekommen — von Gott, vom Leben, von dem, was uns trägt. Mit ihr entscheide ich jeden Tag, wie ich mit beiden Polen lebe. Die eine Wahl: sich an einen Pol verlieren. Sich identifizieren. Ihn für die ganze Wahrheit halten. Gegen den anderen kämpfen. ...

16. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum

Über den Tellerrand denken als Beruf

Ich war nie gut darin, in der Spur zu bleiben. Mein Kopf zieht permanent Verbindungen, die in der Spur schlicht nicht vorgesehen sind. Theologie und Geopolitik. Musik und Spiritualität. Österreichische Enge und globales Denken. Das wurde mir oft als Unzuverlässigkeit ausgelegt. Als wäre “fokussiert bleiben” ein Synonym für “weniger weit sehen.” Ich bin in einer konservativen Kultur aufgewachsen. Österreich hält seine Formen. Das hat seinen Wert — Kontinuität, Tiefe, Verwurzelung. Aber es kostet auch etwas: Wer quer denkt, zahlt dafür. Mit Isolation. Mit dem Gefühl, nie ganz dazuzugehören. ...

16. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum

Wenn du zu viel verstehst — ein Ratgeber für Männer, die zu viel tragen

Du verstehst sie. Wirklich. Du siehst, was sie geprägt hat, wo ihre Wunden sitzen. Du kannst ihre Reaktionen vorhersagen, bevor sie passieren. Das fühlt sich nach Liebe an. Ist es auch. Aber es ist eine Liebe mit einem blinden Fleck. Verständnis als Falle Der blinde Fleck ist nicht das Verstehen selbst. Es ist die Verwechslung von Verstehen mit Entlasten. Verstehen kann auch heißen: ich sehe, was dir wehtut — und sage es trotzdem. Verstehen kann fordern. Wenn es nicht fordert, ist es kein Verstehen. Dann ist es Konfliktvermeidung, die sich als Verstehen tarnt. ...

15. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum

Mein Weg zum Authentischen selbst

Der Mensch will gut sein. Der Kompass sitzt im Herzen. Der Sensible besonders. Er will nicht verletzen — und genau das macht ihn klein. Er schluckt, er passt sich an, er wartet. Dabei ist das Gegenteil wahr: wer keine Grenzen setzt, ist nicht authentisch. Er ist nur höflich. Grenzen setzen braucht den Schatten. Wer nur sein Licht kennt, kann kein Nein sagen — denn das Nein kommt aus dem dunklen Teil, dem der auch kämpfen kann, der auch schützen kann. Den eigenen Schatten kennenlernen und erlauben ist keine Niederlage. Es ist die Voraussetzung für echte Grenzen. Und für echte Authentizität. ...

5. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum

Der rote Faden — Wie ein Wort elf Texte verbindet

Elf Texte auf dieser Seite. Verschiedene Themen, verschiedene Längen, verschiedene Tonlagen. Rebellion in Frankreich und Österreich. Punk in Vorarlberg. Kommunikation. Schubladendenken. Familiengeschichte. Sinn und Motivatoren. Ein Williamson-Zitat. Erst beim Zurückschauen ist mir aufgefallen, dass alle dasselbe Wort umkreisen. Kuschen. Wo das Wort herkommt Jänner 2026, LKH Rankweil. Ich rede mit Menschen — Patienten, Pfleger, Ärzte, ein AfD-Wähler, Leute in verschiedensten Stadien. Ich bitte sie: Sagt mir ehrlich wenn ich nerve. Kein performatives Nicken. Kein höfliches Ja das ein Nein meint. ...

9. März 2026 · 7 Minuten · René Jochum

Ich brauche einen Motivator

Ich bin seit über zwanzig Jahren süchtig nach einem Bildschirm. Nach einem Muster. Darunter liegt der Hunger nach Aufmerksamkeit — danach, gesehen zu werden. Wenn ich aufpasse, kann ich damit leben. Wenn ich es vergesse, bin ich sofort wieder drin. Mir hat die Frage — “Was ist der Sinn deines Lebens?” — immer geschadet. Sie war und teilweise ist zu groß. Was mir geholfen hat, war etwas anderes. Dienen So weit ich zurückdenken kann, wollte ich dienen und der Gemeinschaft etwas zurückgeben — dem Staat, den Menschen um mich herum. ...

6. März 2026 · 4 Minuten · René Jochum

Weniger reden, mehr sagen

Die Art, wie ich kommuniziere, verändert sich laufend. Sichtbar wird das bei der Arbeit an einem technischen Projekt, bei dem KI Teil meines Alltags ist. Ich arbeite dabei aktuell alleine. Was sich verändert, ist nicht nur was ich sage, sondern wie viel, wann und mit welchen Grenzen. Das ist noch lange nicht fertig. Aber ich merke, dass etwas passiert. Ich habe schon immer zu viel geredet Das ist nicht neu. ...

6. März 2026 · 4 Minuten · René Jochum