Die Kraft, über sich selbst drüberzustehen – Eine abgelegte eiserne Rüstung und ein Mikrofon auf einem Holztisch im warmen Fensterlicht

Die Kraft, über sich selbst drüberzustehen

Warum wir verstummen, wenn uns das Leben wehtut – und welche Freiheit darin liegt, die eigene Rüstung abzulegen. Schweigen kann im Extremfall lebensgefährlich sein. Es isoliert uns leise von innen heraus, nagt am Selbstvertrauen und kostet im schlimmsten Fall das Leben. Warum fällt es uns trotzdem oft so schwer, den Mund aufzumachen, wenn uns das Leben wehtut? Ohne Schuldzuweisung betrachtet, ist unser Schweigen eine alte Rüstung. Über Generationen – durch Kriege, Armut und den harten Wiederaufbau nach 1945 – galt eine eiserne Überlebensregel: Zusammenreißen und funktionieren. Unsere Vorfahren mussten ihren Schmerz wegpacken, um unseren heutigen Wohlstand aufzubauen. Ihr Schweigen war keine Kälte, sondern Notwendigkeit. ...

Gesellschaft · 23. Oktober 2026 · 4 Minuten · René Jochum

Familien reden - über alles

„Mein Doktor sagt, ich hab die krasseste Version der psychischen Diagnosen." So sage ich das. Bipolar Typ 1, mit Psychosen. Ich sage das in der Bar, beim Kaffee, beim Spaziergang. Offen. Direkt. Seit Jahren. Was dann passiert, ist fast immer dasselbe: Die Menschen fangen an zu reden. „Mein Bruder hat das auch." „Meine Tante war jahrelang in der Klinik." „Bei uns redet da halt keiner drüber." Manchmal wollen sie Last abladen. Manchmal wollen sie verstehen. Manchmal beides. ...

Gesellschaft · 4. März 2026 · 6 Minuten · René Jochum