Wenn du zu viel verstehst — ein Ratgeber für Männer, die zu viel tragen

Du verstehst sie. Wirklich. Du siehst, was sie geprägt hat, wo ihre Wunden sitzen. Du kannst ihre Reaktionen vorhersagen, bevor sie passieren. Das fühlt sich nach Liebe an. Ist es auch. Aber es ist eine Liebe mit einem blinden Fleck. Verständnis als Falle Der blinde Fleck ist nicht das Verstehen selbst. Es ist die Verwechslung von Verstehen mit Entlasten. Verstehen kann auch heißen: ich sehe, was dir wehtut — und sage es trotzdem. Verstehen kann fordern. Wenn es nicht fordert, ist es kein Verstehen. Dann ist es Konfliktvermeidung, die sich als Verstehen tarnt. ...

15. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum

Der rote Faden — Wie ein Wort elf Texte verbindet

Elf Texte auf dieser Seite. Verschiedene Themen, verschiedene Längen, verschiedene Tonlagen. Rebellion in Frankreich und Österreich. Punk in Vorarlberg. Kommunikation. Schubladendenken. Familiengeschichte. Sinn und Motivatoren. Ein Williamson-Zitat. Erst beim Zurückschauen ist mir aufgefallen, dass alle dasselbe Wort umkreisen. Kuschen. Wo das Wort herkommt Jänner 2026, LKH Rankweil. Ich rede mit Menschen — Patienten, Pfleger, Ärzte, ein AfD-Wähler, Leute in verschiedensten Stadien. Ich bitte sie: Sagt mir ehrlich wenn ich nerve. Kein performatives Nicken. Kein höfliches Ja das ein Nein meint. ...

9. März 2026 · 7 Minuten · René Jochum

Kuschen benennen

Jemand sagt Ja und meint Nein. Das passiert ständig – in Meetings, in Therapiegruppen, am Küchentisch. Ich nenne es Kuschen. Und ich lerne immer mehr, es zu benennen. Was Kuschen ist Kuschen ist nicht Zuhören. Nicht Nachdenken. Nicht Zurückhaltung. Kuschen ist Zustimmung ohne Überzeugung – performativ, automatisch, konfliktscheu. Der Mund sagt Ja, der Körper sagt was anderes. In der Suchttherapie begegnet dir das ständig. Ich habe es als Klient gelernt – an mir selbst und in Gesprächen mit anderen Klienten. Jemand sitzt in der Gruppe, nickt, sagt: „Ja, stimmt.“ Klingt nach Einsicht. Ist Anpassung. Und alle arbeiten ab diesem Moment mit falschen Daten. ...

9. März 2026 · 4 Minuten · René Jochum

Ich brauche einen Motivator

Ich bin seit über zwanzig Jahren süchtig nach einem Bildschirm. Nach einem Muster. Darunter liegt der Hunger nach Aufmerksamkeit — danach, gesehen zu werden. Wenn ich aufpasse, kann ich damit leben. Wenn ich es vergesse, bin ich sofort wieder drin. Mir hat die Frage — “Was ist der Sinn deines Lebens?” — immer geschadet. Sie war und teilweise ist zu groß. Was mir geholfen hat, war etwas anderes. Dienen So weit ich zurückdenken kann, wollte ich dienen und der Gemeinschaft etwas zurückgeben — dem Staat, den Menschen um mich herum. ...

6. März 2026 · 4 Minuten · René Jochum

Weniger reden, mehr sagen

Die Art, wie ich kommuniziere, verändert sich laufend. Sichtbar wird das bei der Arbeit an einem technischen Projekt, bei dem KI Teil meines Alltags ist. Ich arbeite dabei aktuell alleine. Was sich verändert, ist nicht nur was ich sage, sondern wie viel, wann und mit welchen Grenzen. Das ist noch lange nicht fertig. Aber ich merke, dass etwas passiert. Ich habe schon immer zu viel geredet Das ist nicht neu. ...

6. März 2026 · 4 Minuten · René Jochum