Der Junge, der im Dunkeln sehen lernte – Zwei Männer sitzen in der Dämmerung am Dorfbrunnen und teilen ein Stück Brot

Der Junge, der im Dunkeln sehen lernte

Wer mag, hört beim Lesen: Es war einmal ein Junge, der wuchs in einem Haus auf, in dem das Licht nur selten bis auf den Boden fiel. Seine Hände waren noch klein, aber sie kannten schon das Zittern. Sein Rücken war noch weich, aber er wusste schon, wie man sich krümmt, wenn die Schritte vor der Tür schwer wurden. Und schlimmer als die Schläge, die man sah, waren die Sätze, die blieben. Sie zogen keine Grenze um das, was er tat – sie beschrieben, was er angeblich war: zu laut, zu wenig, verkehrt. ...

Wie es ist, mit der Diagnose Bipolar 1 zu leben – Porträt von René Jochum neben dem Symbol :(:

Wie es ist, mit der Diagnose Bipolar 1 zu leben – aus dem Leben eines Betroffenen

„Bipolar“ klingt für viele nach einem bloßen Wechsel aus guter und schlechter Laune. Bei mir steht auf dem Papier allerdings Bipolar 1 mit psychotischen Symptomen – und wenn ich vollmanisch bin, hat das mit „guter Laune“ nichts mehr zu tun. Es fängt oft konstruktiv an: Ich habe unzählige Ideen, meistens mit dem ehrlichen Antrieb, Dinge grundlegend zu verbessern. Aber mein Kopf schaltet dabei in eine Geschwindigkeit, der von außen kaum noch jemand folgen kann. Es gibt keinen Filter mehr zwischen Denken und Sprechen – fast jeder Gedanke muss in exakt der Sekunde raus, in der er entsteht. Gleichzeitig bricht mein Kurzzeitgedächtnis weg: Was ich vor Tagen oder auch nur vor wenigen Momenten gesagt habe, ist fast im selben Augenblick wieder gelöscht. Es existiert nur noch dieses hochbeschleunigte Jetzt. ...