Die stille Gewalt des Opferseins

Die stille Gewalt des Opferseins

Es gibt eine Form von Selbstzerstörung, die sich anfühlt wie Schutz. Sie heißt: Ich bin das Opfer, alle anderen sind schuld. Ich kenne diese Haltung von innen. Über Jahre war ich der Arme. Wenn etwas nicht klappte, lag es an den Umständen oder an den Menschen um mich. Vor allem an meinen Eltern. Sie waren jahrelang die Adresse für meine Schuldzuweisungen, für vieles, wofür ich selbst hätte einstehen müssen. Inzwischen haben wir alles geklärt. Ich habe mich bei ihnen entschuldigt, auf eine Art, die mir wichtig war. Zwischen uns ist Frieden. Gerade weil dieser Frieden da ist, kann ich heute klarer auf das schauen, was ich damals war: ein Mensch, der niemandem etwas Schlechtes wollte und der trotzdem viel Schaden angerichtet hat. ...

27. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum
Geburtenrate – Gott erlaubt Fehler

Geburtenrate - Gott erlaubt Fehler

Die Geburtenrate sinkt. Alle reden über Geld und Wohnungen. Das stimmt. Trotzdem trifft es den Kern nicht. Der Kern ist Angst Menschen bekommen keine Kinder, weil sie sich die Zukunft nicht mehr vorstellen können. Weil sie glauben, sie müssten perfekt sein, um Eltern zu sein. Weil ein Fehler heute genügt, um disqualifiziert zu werden. So fühlt es sich an. Das erstickt. Was ich als gläubiger gelernt habe: Gott vergibt. Gott will sogar, dass wir Fehler machen, um daraus zu lernen. Das ist keine Schwäche. Das ist der Boden, auf dem ein Mensch überhaupt leben kann. ...

23. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum

Familien reden - über alles

„Mein Doktor sagt, ich hab die krasseste Version der psychischen Diagnosen." So sage ich das. Bipolar Typ 1, mit Psychosen. Ich sage das in der Bar, beim Kaffee, beim Spaziergang. Offen. Direkt. Seit Jahren. Was dann passiert, ist fast immer dasselbe: Die Menschen fangen an zu reden. „Mein Bruder hat das auch." „Meine Tante war jahrelang in der Klinik." „Bei uns redet da halt keiner drüber." Manchmal wollen sie Last abladen. Manchmal wollen sie verstehen. Manchmal beides. ...

4. März 2026 · 6 Minuten · René Jochum