Der Wert einer Selbsthilfegruppe – Ein Kreis von Menschen sitzt im warmen Abendlicht ruhig und auf Augenhöhe zusammen

Der Wert einer Selbsthilfegruppe

Die meisten stellen sich unter einer Selbsthilfegruppe einen Ort für den absoluten Notfall vor – und gehen erst hin, wenn gar nichts mehr geht. Meine Erfahrung mit meiner bipolaren Erkrankung ist eine andere: Eine Selbsthilfegruppe sollte man in allen Lebenslagen besuchen – außer in akuten Krisen. Eine Gruppe ist kein Ersatz für eine Therapie. Und wer mitten in einer akuten Krise steckt, braucht Ruhe, Schutz und professionelle Hilfe – Arzt, Krisendienst oder Klinik. Da ist eine Gruppe der falsche Ort. Für einen selbst und für die anderen im Raum. ...

Wie es ist, mit der Diagnose Bipolar 1 zu leben – Porträt von René Jochum neben dem Symbol :(:

Wie es ist, mit der Diagnose Bipolar 1 zu leben – aus dem Leben eines Betroffenen

„Bipolar“ klingt für viele nach einem bloßen Wechsel aus guter und schlechter Laune. Bei mir steht auf dem Papier allerdings Bipolar 1 mit psychotischen Symptomen – und wenn ich vollmanisch bin, hat das mit „guter Laune“ nichts mehr zu tun. Es fängt oft konstruktiv an: Ich habe unzählige Ideen, meistens mit dem ehrlichen Antrieb, Dinge grundlegend zu verbessern. Aber mein Kopf schaltet dabei in eine Geschwindigkeit, der von außen kaum noch jemand folgen kann. Es gibt keinen Filter mehr zwischen Denken und Sprechen – fast jeder Gedanke muss in exakt der Sekunde raus, in der er entsteht. Gleichzeitig bricht mein Kurzzeitgedächtnis weg: Was ich vor Tagen oder auch nur vor wenigen Momenten gesagt habe, ist fast im selben Augenblick wieder gelöscht. Es existiert nur noch dieses hochbeschleunigte Jetzt. ...

Die Mitte liegt in der Dualität

Die Mitte liegt in der Dualität

Wer mag, hört beim Lesen: Manie und Depression. Tag und Nacht. Licht und Schatten. Lange habe ich gegen einen der Pole gekämpft. Ich habe geglaubt, einer sei mein Feind. Ich habe geglaubt, ich müsste mich entscheiden. Heute weiß ich es besser. Die Freiheit kommt zuerst. Sie ist das Erste, was wir bekommen — von Gott, vom Leben, von dem, was uns trägt. Mit ihr entscheide ich jeden Tag, wie ich mit beiden Polen lebe. ...

Über mich

Ich schreibe über Softwarearchitektur, weil ich sie liebe. Lange dachte ich, das wäre der einzige Grund. Ich liebe es auch, anderen Leuten was beizubringen. Durch das Teilen ist vieles besser geworden, und in der Software schließt „gemeinsam“ inzwischen die Werkzeuge ein, mit denen wir arbeiten. Sie übernehmen nicht die Welt und sie nehmen keine Arbeitsplätze weg, nicht bald und nicht in einem Zeitraum, den ich benennen würde. Bei Software sind sie gut. ...

6. März 2026 · 3 Minuten · René Jochum

Familien reden - über alles

„Mein Doktor sagt, ich hab die krasseste Version der psychischen Diagnosen." So sage ich das. Bipolar Typ 1, mit Psychosen. Ich sage das in der Bar, beim Kaffee, beim Spaziergang. Offen. Direkt. Seit Jahren. Was dann passiert, ist fast immer dasselbe: Die Menschen fangen an zu reden. „Mein Bruder hat das auch." „Meine Tante war jahrelang in der Klinik." „Bei uns redet da halt keiner drüber." Manchmal wollen sie Last abladen. Manchmal wollen sie verstehen. Manchmal beides. ...

Gesellschaft · 4. März 2026 · 6 Minuten · René Jochum