Herbert Kickl fordert eine gesunde Watschn für Kinder.

Das Adjektiv ist ein rhetorischer Trick. Es soll Gewalt zur Medizin machen. Als gäbe es eine kranke Watschn und eine gesunde. Als wäre die Grenze zwischen Erziehung und Misshandlung eine Frage der Dosierung.

Ist sie nicht.

Kinder können nie was dafür. Sie machen, was ihnen Eltern, Umgebung und Kultur beigebracht haben. Jedes “schwierige” Verhalten eines Kindes ist eine Botschaft über das System, in dem es lebt.

Wer das Kind schlägt, schlägt auf den Spiegel ein. Das System bleibt unberührt. Das Kind bekommt die Rechnung.

Das ist Umkehrung von Verantwortung.

Ich weiß, wovon ich rede.

Ich habe als Kind gelernt, klein zu sein. Gelernt, Opfer zu sein. Aus Hilflosigkeit, aus Trauma — einer Sprache, die das System weitergibt, Generation für Generation.

Das macht es nicht harmlos.

Als Opfer war ich lebensmüde. Als freier Mensch bin ich es nicht mehr.

Das ist der ganze Punkt.

Kickls Satz tötet. Langsam. Über Generationen. Er zementiert ein System, das aus Kindern Opfer macht. Und Opfer, die nicht wissen, dass sie Opfer sind, finden keinen Ausweg.

Ich habe einen gefunden. Viele nicht.

Kickl verkauft Autorität als Fürsorge. Er suggeriert, Kinder die nicht funktionieren hätten zu wenig Druck bekommen. Zu wenig harte Hand.

In seiner Welt sind Kinder grundsätzlich widerspenstig. Sie müssen gebrochen werden.

Wer von Kindern harte Hand verlangt, bereitet den Boden für ein Staatsverständnis, das aus Bürgern Untertanen macht. Autoritäre Politiker brauchen Menschen, die gelernt haben, klein zu sein.

Das ist Methode.

Wir müssen aufhören, diese Grausamkeit als Tradition oder Disziplin zu tarnen. Sie ist der Kern dessen, was wir als Gesellschaft überwinden müssen.

Kinder können nie was dafür. Politiker, die Watschn empfehlen, schon.


Von René Jochum und Claude (Anthropic). Lizenz: CC-BY-4.0.