Der Mann, der alles verlor und zweifach zurückbekam

Der Mann, der alles verlor und zweifach zurückbekam

Es war einmal ein Mann, der war gut. Untadelig und rechtschaffen, einer, der das Böse mied. Er war gut, wie ein Stein still ist — von Geburt an, ohne dass er je gewählt hätte. Da kamen die bösen Kräfte. Sie nahmen ihm zuerst das Außen: den Besitz und die Menschen, die er liebte. Dann griffen sie nach innen, nach dem Leib und dem Schlaf. Sie wollten wissen, ob das Gute hielte, wenn man ihm den Boden wegzog. ...

Das schwarze Schaf mit dem Kübel

Das schwarze Schaf mit dem Kübel

Es war einmal ein schwarzes Schaf. Es lebte in einem Dorf voller Schafe und trug einen Kübel mit sich. Einen Dreckkübel. Alles, was es sich nicht erlaubt hatte zu sein, alles, was das Dorf nicht sehen wollte, lag darin. Es konnte den Kübel nicht abstellen. Eine Zeit lang dachte das Schaf daran, den Kübel auszukippen. Über die anderen. Sie sollten auch schwarz werden, dachte es, dann wäre es nicht mehr allein. Es stellte sich Nächte vor, in denen es durchs Dorf zog und Farbe verspritzte. Der Gedanke wärmte und vergiftete zugleich. ...

Die stille Gewalt des Opferseins

Die stille Gewalt des Opferseins

Es gibt eine Form von Selbstzerstörung, die sich anfühlt wie Schutz. Sie heißt: Ich bin das Opfer, alle anderen sind schuld. Ich kenne diese Haltung von innen. Über Jahre war ich der Arme. Wenn etwas nicht klappte, lag es an den Umständen oder an den Menschen um mich. Vor allem an meinen Eltern. Sie waren jahrelang die Adresse für meine Schuldzuweisungen, für vieles, wofür ich selbst hätte einstehen müssen. Inzwischen haben wir alles geklärt. Ich habe mich bei ihnen entschuldigt, auf eine Art, die mir wichtig war. Zwischen uns ist Frieden. Gerade weil dieser Frieden da ist, kann ich heute klarer auf das schauen, was ich damals war: ein Mensch, der niemandem etwas Schlechtes wollte und der trotzdem viel Schaden angerichtet hat. ...

Auch der geht vorbei

Auch der geht vorbei

Gestern hab ich mit der Familie einen Hund zu Grabe getragen. Wir haben ihn bis zum letzten Atemzug begleitet. Ein lieber, lieber Kämpfer — für seine Lieben. Ich hab der Familie Psalm 23 vorgelesen — damit sie sehen: auch das finstere Tal geht vorbei. Am Abend dachte ich: jetzt tu ich mir was Gutes. Ich bin feiern gegangen. Um sechs in der Früh ins Bett, direkt eingeschlafen. Um vierzehn Uhr wieder raus. Der Tag war depressiv. ...

Unterdrückte unterdrücken, freie machen frei

Ich schreibe das nicht aus der Theorie. Ich war lange genug Opfer, um zu wissen, wie sich das anfühlt von innen. Und ich habe selbst unterdrückt — Menschen klein gemacht, mich an ihnen entlastet, die Last weitergegeben, die auf mir lag. Beides gehört zu mir. Beides ist nicht zu beschönigen. Heute bin ich frei. Oder genauer: ich bin auf dem Weg. Ich versuche, ein Krieger des Lichts zu sein, im Sinne Coelhos — also einer, der fällt, wieder aufsteht, zweifelt, weitergeht. Kein Held. Ein Übender. ...

Je weniger, desto mehr

Die Alten bauten auf: Straßen, Häuser, Wissen, Frieden. Wir erbten es. Das verdient Respekt. Heute haben wir alles. Informationen. Wahl. Komfort. Reize ohne Ende. Und verlieren dabei: Tiefe. Ruhe. Spielraum im Kopf. Wer alles hat, muss lernen, nichts zu haben. Jesus ging in die Wüste. Mohammed in die Höhle. Beide hatten eine Weile nichts. Erst dann kam das, wofür wir sie kennen. In der Leere wird der Blick klar. Ohne Geräusch hört man das Eigene. Ohne Besitz hat man die Hände frei. ...

Die Mitte liegt in der Dualität

Die Mitte liegt in der Dualität

Wer mag, hört beim Lesen: Manie und Depression. Tag und Nacht. Licht und Schatten. Lange habe ich gegen einen der Pole gekämpft. Ich habe geglaubt, einer sei mein Feind. Ich habe geglaubt, ich müsste mich entscheiden. Heute weiß ich es besser. Die Freiheit kommt zuerst. Sie ist das Erste, was wir bekommen — von Gott, vom Leben, von dem, was uns trägt. Mit ihr entscheide ich jeden Tag, wie ich mit beiden Polen lebe. ...

Über den Tellerrand denken als Beruf

Ich war nie gut darin, in der Spur zu bleiben. Mein Kopf zieht permanent Verbindungen, die in der Spur schlicht nicht vorgesehen sind. Theologie und Geopolitik. Musik und Spiritualität. Österreichische Enge und globales Denken. Das wurde mir oft als Unzuverlässigkeit ausgelegt. Als wäre “fokussiert bleiben” ein Synonym für “weniger weit sehen.” Ich bin in einer konservativen Kultur aufgewachsen. Österreich hält seine Formen. Das hat seinen Wert — Kontinuität, Tiefe, Verwurzelung. Aber es kostet auch etwas: Wer quer denkt, zahlt dafür. Mit Isolation. Mit dem Gefühl, nie ganz dazuzugehören. ...

Mein Weg zum authentischen Selbst

Der Mensch will gut sein. Der Kompass sitzt im Herzen. Der Sensible besonders. Er will nicht verletzen — und genau das macht ihn klein. Er schluckt, er passt sich an, er wartet. Dabei ist das Gegenteil wahr: wer keine Grenzen setzt, ist nicht authentisch. Er ist nur höflich. Grenzen setzen braucht den Schatten. Wer nur sein Licht kennt, kann kein Nein sagen — denn das Nein kommt aus dem dunklen Teil, dem der auch kämpfen kann, der auch schützen kann. Den eigenen Schatten kennenlernen und erlauben ist keine Niederlage. Es ist die Voraussetzung für echte Grenzen. Und für echte Authentizität. ...

Ein Indianer kennt kein Schmerz

Ein Satz den jeder kennt. Den wir als Kinder gehört haben wenn wir hingefallen sind, wenn wir geweint haben, wenn wir Angst hatten. Steh auf. Stell dich nicht so an. Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Ich streiche das „KEIN". Nicht weil ich den Satz zerstören will — sondern weil er falsch rum ist. Ein Indianer kennt Schmerz. Genau das macht ihn stark. Die Wunden Stell dir vor du kommst von der Jagd zurück. Es lief nicht gut. Du trägst Wunden. Echte, nicht metaphorische — wobei die metaphorischen genauso wehtun. Kindheit, Verlust, Einsamkeit. Menschen die gegangen sind. Menschen die hätten bleiben sollen. Dinge die passiert sind und Dinge die hätten passieren müssen aber nicht passiert sind. Vertrauen das gebrochen wurde. Würde die abgesprochen wurde. Trauer die nie einen Platz hatte. ...