Hinter ihm gab der Berg nach.
Ein tiefes Grollen, ein Schlag, dann Staub, der ihm den Atem nahm. Als es wieder still wurde, lag hinter dem Wanderer eine Wand aus Fels und Ton. Das Tal, aus dem er gekommen war – das Bekannte, das Schöne, das Vertraute –, war verschüttet.
Der Weg zurück existierte nicht mehr.
Er stand im alten Stollen. Es war kalt. Unter seinen Schuhen lag scharfes Geröll, das der Einsturz aus der Decke gebrochen hatte. Über ihm, im unsichtbaren Gewölbe, raschelte und fiepte es. Fledermäuse, aufgeschreckt aus ihrem Schlaf, schossen dicht an seinem Gesicht vorbei durch die Finsternis.
Einen Moment lang stand er einfach nur da.
Er hatte sich diesen Ort nicht ausgesucht. Es war eng, es war dunkel, und es tat weh.
Vor ihm lagen zwei Möglichkeiten. Er konnte sich hier im Staub auf die Steine setzen, auf die verschüttete Wand starren und warten, bis ihm die Kälte in die Knochen kroch. Oder er konnte sich umdrehen.
Als er den Blick nach vorne richtete, tief hinein in den schwarzen Bauch des Berges, sah er es. Weit entfernt, kaum größer als ein Nadelstich: ein winziger, blasser Punkt.
Manche hätten im Dunkeln gezweifelt. Sie hätten gesagt, das sei nur ein Trugbild oder ein Licht, das ihnen entgegenrast, um sie zu überrollen.
Der Wanderer wusste es besser. In diesem Stollen fuhren keine Züge mehr. Dieses Licht kam nicht auf ihn zu. Es wartete. Es war das Ende des Tunnels.
Mit diesem Wissen passierte etwas Seltsames in ihm.
Während draußen im Hellen oft schon ein kleiner Kiesel im Schuh gereicht hatte, um müde zu werden, wuchs hier drinnen seine Kraft mit jedem Hindernis. Sein Kopf wurde ruhig, seine Hände wurden fest. Er tat einfach, was nötig war.
Schritt für Schritt tastete er sich vorwärts. Wo das Geröll ihm bis zu den Knien reichte, fluchte er nicht. Er bückte sich im Dunkeln, packte die schweren Brocken mit beiden Händen und räumte sie an den Rand. Einen nach dem anderen. Seine Hände wurden schmutzig und wund, sein Atem ging schwer, aber die Spur hinter ihm wurde frei – für ihn und für jeden, der diesen Weg vielleicht nach ihm gehen musste.
Wenn die Fledermäuse wieder um seinen Kopf flatterten, blieb er kurz stehen, atmete aus und ließ sie ziehen. Sie gehörten zur Dunkelheit dazu. Sie taten ihm nichts, solange er nicht nach ihnen schlug.
Er wusste nicht, was hinter dem Ausgang lag. Aus der Tiefe des Berges konnte niemand erkennen, ob draußen die Sonne schien oder der Regen peitschte, ob dort ein Wald wartete oder kahler Fels.
Aber er sah, dass der helle Punkt mit jeder Stunde ein kleines Stück größer wurde.
Die Zukunft war ihm unbekannt. Die Hoffnung nicht.
Von René Jochum. Lizenz: CC-BY-4.0.
