Es war einmal ein Mann, der war gut. Untadelig und rechtschaffen, einer, der das Böse mied. Er war gut, wie ein Stein still ist — von Geburt an, ohne dass er je gewählt hätte.

Da kamen die bösen Kräfte. Sie nahmen ihm zuerst das Außen: den Besitz und die Menschen, die er liebte. Dann griffen sie nach innen, nach dem Leib und dem Schlaf. Sie wollten wissen, ob das Gute hielte, wenn man ihm den Boden wegzog.

Seine Frau sagte ihm, er solle Gott absagen und sterben. Er antwortete: Das Gute nehmen wir an, das Böse nehmen wir auch. Und blieb.

Im Dunkeln sah er zum ersten Mal seine eigenen Schatten. Er hätte fluchen und zurückschlagen können. Die Tür stand offen. Er spürte sie in sich. In diesem Spüren begriff er, was das Gute bedeutet. Vorher war er gut. Jetzt wählte er es. So wurde es seins.

Die bösen Kräfte glaubten, sie nähmen ihm das Gute. Sie zeigten es ihm.

Am Ende sprach Gott aus dem Sturm. Eine Erklärung blieb aus, nur die Größe dessen, was ist. Da verstand der Mann, was er sein Leben lang bloß gehört hatte. Vom Hörensagen kannte er Gott, nun sah ihn sein Auge. Das war die Wende. Das Sehen.

Erst danach kam das Doppelte. Wieder sieben Söhne. Und drei Töchter, die schönsten im ganzen Land: Jemima, Kezia und Keren-Happuch. Ihre Namen sind geblieben, die der Söhne verklungen. Und der Vater gab ihnen Erbe, gleichviel wie ihren Brüdern, mitten unter ihnen — wie es in seiner Zeit kaum ein Mann tat. Wer durch die Schatten gegangen ist, weiß, dass Würde sich teilt und dabei wächst. Das war die Reife. Er konnte das Doppelte empfangen, weil er sich selbst nun durchschaute.

So stand er am Ende mit zweierlei da: demütig vor dem Mysterium, stolz auf das Gute, das er gehalten hatte, als alles ihm aus den Händen fiel. Sein Stolz war Würde. Sein Gutsein war echt. Die Liebe, die alles erträgt und niemals aufhört, hatte ihn getragen.


Bibelstellen


Von René Jochum und Claude (Anthropic). Lizenz: CC-BY-4.0.