Gestern hab ich mit der Familie einen Hund zu Grabe getragen. Wir haben ihn bis zum letzten Atemzug begleitet. Ein lieber, lieber Kämpfer — für seine Lieben. Ich hab der Familie Psalm 23 vorgelesen — damit sie sehen: auch das finstere Tal geht vorbei.
Am Abend dachte ich: jetzt tu ich mir was Gutes. Ich bin feiern gegangen. Um sechs in der Früh ins Bett, direkt eingeschlafen. Um vierzehn Uhr wieder raus. Der Tag war depressiv.
Der Vortag war ein Grund. Dazu kam, dass ich vierzig bin und eine Vorgeschichte habe, die mir heute sagt: schlechte Tage dürfen sein.
Lang hab ich anders geglaubt. In meiner Kindheit und Jugend gab es keine schlechten Tage. Es gab Tage, an denen man funktionieren musste. Punkt.
Mich selbst zu lieben — mit Familie, mit Freunden — hat das umgedreht. Heute weiß ich: wenn ich gegen einen schlechten Tag anschwimme, kommt der nächste. Und der übernächste. Akzeptier ich ihn, surf ich ihn. Wie eine Welle. Sie hebt mich, sie senkt mich, sie zieht weiter.
Körperlich merk ich es zuerst an der Müdigkeit. Ich bin kaputt. Und plötzlich schau ich anders auf alles. Ich glaub, ich reagier in solchen Phasen verstärkt auf das, was ich in mir trage. Manchmal zieh ich es vielleicht sogar an.
Was hätte mir am Sonntag wirklich gutgetan? Wald. Einsamkeit. Der Wald lebt — das spürt man, wenn man drin steht. Die Bäume kümmern sich umeinander und um die, die durchgehen. Schwer zu beschreiben. Aber es trägt.
Stattdessen bin ich um sechs ins Bett. Auch okay. Ich notier es mir für nächstes Mal.
Mein Notfallkoffer, wenn so ein Tag kommt: eigene Musik, der Wald, eine Kerze anzünden, gute Gespräche — manchmal über die Psyche, manchmal über alles andere. Und die Frage, die ich mir stell, sobald ich merk, jetzt wird’s eng: was tut mir gut?
Das Nein zu mir selbst gehört dazu. Fällt mir immer noch schwer.
Schuld? Nein. Scham auch kaum. Ich empfind Schuld nur für Dinge, die ich wirklich verkackt hab. Und seit ich Fehler als Teil vom Lernen versteh, mag ich sie sogar. Sie zeigen mir, wo’s weitergeht.
Wenn jemand fragt, sag ich: nicht mein Tag. Mehr muss nicht sein.
Wenn du grad mittendrin steckst und nicht weiterweißt: auch der geht vorbei.
Ohne Schatten kein Licht. Alles ist okay.
Von René Jochum, Claude (Anthropic) und Vibe (Mistral). Lizenz: CC-BY-4.0.
