Manie und Depression. Tag und Nacht. Licht und Schatten.
Lange habe ich gegen einen der Pole gekämpft. Ich habe geglaubt, einer sei mein Feind. Ich habe geglaubt, ich müsste mich entscheiden.
Heute weiß ich es besser.
Die Freiheit kommt zuerst. Sie ist das Erste, was wir bekommen — von Gott, vom Leben, von dem, was uns trägt. Mit ihr entscheide ich jeden Tag, wie ich mit beiden Polen lebe.
Die eine Wahl: sich an einen Pol verlieren. Sich identifizieren. Ihn für die ganze Wahrheit halten. Gegen den anderen kämpfen.
Die andere Wahl: beide sehen. Beide annehmen. Die Manie als das, was sie ist — und die Depression auch. Den Tag und die Nacht. Das Licht und den Schatten. Beide ehren. Beide halten.
Die Mitte ist kein starrer Ort. Sie ist beweglich. Manchmal bin ich in der Höhe, manchmal in der Tiefe — und das ist okay. Die Wellen kommen, die Wellen gehen. Ich surfe.
Je länger ich surfe, desto leichter wird es. Je öfter ich beide Pole gesehen habe, desto weniger Kraft kostet mich die Bewegung. Irgendwann trägt mich die Welle.
Das ist die Gnade in der Dualität: dass die Pole selbst der Weg zur Mitte sind.
Wer beides hält, findet die Mitte.
Die Mitte liegt in der Dualität. Sie liegt nur in ihr.
Und sie bewegt sich mit mir.
Von René Jochum und Claude (Anthropic). Lizenz: CC-BY-4.0.