Es war ein schwerer Tag. Jemand, den ich liebe, wurde auf eine intensivere psychiatrische Station verlegt. Ich war dabei. Es gab Vertrauen. Das ist genug zu sagen.

Die Szene

An einer Türe. Meine Hand. Ein Satz, leise: „Die tun dir gut." Vertrauen hat einen Weg durch den Sturm gefunden.

Was ich in diesem Moment gespürt habe: Liebe. Einfach. Vollständig. Auch Angst, ja — aber der Mut war größer. Und der Mut kam aus der Angst, dass jemand erlebt, was ich erleben musste.

Was ich erlebt habe

Fixierung. Todesangst. Kontrollverlust. Spritze. Weg.

Das war meine eigene Geschichte mit der Psychiatrie — aber sie ist nicht der Anfang. Davor lag ein schwereres Trauma aus der Kindheit. Bekämpft habe ich es, indem ich es neu erlebt habe.

Der Suizidversuch war der Anfang. Der Anfang meines Wegs durch die Psychiatrie. Und — später erst verstanden — der Anfang der Heilung. Danach: ein harter Kampf, irgendwann auch noch einmal eine aufs Maul, diesmal von einem Polizisten. Und durch das alles hindurch: das Wissen, dass Gott mich liebt.

Viel Arbeit an mir selbst. Das Härteste war, Veränderung zu akzeptieren — und dann mich zu lieben wie ich bin. Heute liebe ich mich.

Demut, nicht Wut

Auf der anderen Seite der Türe musste ich demütig sein. Sonst hätte die Wut mich überkommen. Demut nicht als Schwäche — als Entscheidung, der Wut nicht das Steuer zu geben. Vertrauen darauf, dass dort wirklich geholfen wird. Und gleichzeitig die Klarheit, hinterher zu warnen, wo ich Pfusch vermute.

Ich kenne meine beiden Seiten. Ich kontrolliere meine innere Balance durch äußere Balance.

Die Beschützer ruhen

Mesut konnte ich nicht vor dem Herzinfarkt retten. Andere habe ich durch Natürlichen Tot, Suizid oder Überdosis verloren. Mesut war in meinem Kopf mein Beschützer. Sein Tod hat diesen Beschützer in mir gelassen.

Aber vor dieser Türe habe ich ihn nicht gespürt. Und das ist okay. Ich brauche ihn nicht mehr. Ich glaube, er ruht sich jetzt selbst aus oder macht was anderes.

Sanitäter im Kampfmodus

Ich glaube an Valhalla, und ich glaube an den Herrn. Beides. Ich bin schon länger im Kampfmodus als Sanitäter — derjenige, der ins Feuer rennt, um zu verbinden. Mit Werkzeug statt Waffe. Es kostet viel. Doch Gott hilft mir sehr.

Geschmeidig

Wem ich etwas sagen würde, dem dasselbe begegnet — jemanden Geliebten in eine psychiatrische Station begleiten, mit eigenem Trauma im Rücken:

Dein Trauma hat nichts mit dem Erlebten zu tun. Trenne, um zu schützen. Durch die Liebe, die du empfindest, wächst der Mut. Lass ihn nicht zur Wut werden, und bleibe geschmeidig.

Wer ich war

Ein liebender Mensch. Mehr braucht es nicht zu sagen. Ein Versprechen wird nicht gebrochen. Ein Mann, ein Wort.

Was Gott getan hat

Alles.


Von René Jochum und Claude (Anthropic). Lizenz: CC-BY-4.0.