Warum ich KI-Musik mache – Ein handgeschriebenes Notizbuch neben Kopfhörern und einem Cello im warmen Abendlicht

Warum ich KI-Musik mache

Ich spiele gleich am Anfang mit offenen Karten: Ich kann nicht singen, ich spiele kein Cello, und wenn ich selbst zur Gitarre greife, reicht es bestenfalls dazu, die Nachbarn in die Flucht zu schlagen. Trotzdem habe ich in den letzten Wochen zwei komplette Musik-Alben gemacht. Und ich habe nicht vor, so zu tun, als stünde dafür eine echte Band in meinem Keller. Die Texte entstehen im engen Ping-Pong mit Sprachmodellen, die Musik und die Stimmen sind ebenfalls generiert. ...

Die richtige Leitplanke – Eine kurvige Bergstraße mit Leitplanken im Morgenlicht, die sicheren Halt geben und den Weg in die Weite öffnen

Die richtige Leitplanke

Früher habe ich das Chaos verehrt. Dahinter steckte ein rebellisches „Frei-Sein-Wollen“: Für mich war Unordnung gleichbedeutend mit Lebendigkeit und einem unangepassten Geist. Struktur, feste Zeiten und Regeln fühlten sich für mich lange wie ein Gefängnis an, das einem die Spontaneität und die Luft zum Atmen nimmt. Doch Chaos macht unfrei. Es hat Jahre gedauert, bis ich das für mich wirklich begriffen habe. Und ehrlich gesagt ist dieser langsame Übergang vom Chaos zur Ordnung bis heute nicht einfach abgeschlossen. Ich muss mir selbst immer wieder neu beweisen, dass Struktur mir nichts wegnimmt, sondern mir im Gegenteil wirklich guttut. ...

Der Wert einer Selbsthilfegruppe – Ein Kreis von Menschen sitzt im warmen Abendlicht ruhig und auf Augenhöhe zusammen

Der Wert einer Selbsthilfegruppe

Die meisten stellen sich unter einer Selbsthilfegruppe einen Ort für den absoluten Notfall vor – und gehen erst hin, wenn gar nichts mehr geht. Meine Erfahrung mit meiner bipolaren Erkrankung ist eine andere: Eine Selbsthilfegruppe sollte man in allen Lebenslagen besuchen – außer in akuten Krisen. Eine Gruppe ist kein Ersatz für eine Therapie. Und wer mitten in einer akuten Krise steckt, braucht Ruhe, Schutz und professionelle Hilfe – Arzt, Krisendienst oder Klinik. Da ist eine Gruppe der falsche Ort. Für einen selbst und für die anderen im Raum. ...

Der Mut für die Leichtigkeit – Ein kräftiger Mann gleitet frei und entspannt im warmen Sonnenlicht oben auf einer weiten Meereswoge

Der Mut für die Leichtigkeit

Es war einmal ein großer Mann auf dem Meer. Einer mit breiten Schultern und einem eigenen Kopf, der im Leben schon manchen Sturm überstanden hatte. Vor dem Absaufen fürchtete er sich nicht. Im dunklen Wellental kannte er sich aus – dort unten im Schatten wusste er, wie man durchhält. Was ihm fremd war, war das Licht ganz oben auf dem Kamm. Er kannte nichts anderes. Jedes Mal, wenn eine große, leuchtende Welle ihn nach oben ins Freie heben wollte, spannte sich sein ganzer Körper an. Mit all seiner Kraft drückte er dagegen, machte sich schwer und zog sich selbst zurück ins graue Wasser. Er kämpfte gegen den eigenen Aufstieg, nur um dort unten zu bleiben, wo ihm alles vertraut war. ...

Die Angst vor der Stille – Eine rote Holzbank mit einem angelehnten Mountainbike unter einem Baum auf einer Anhöhe, dahinter ein weites Bergpanorama unter blauem Himmel

Die Angst vor der Stille

Viele Menschen glauben, sie hätten einfach nur gern Trubel um sich. Sie lassen den Fernseher nebenbei laufen, greifen in jeder freien Sekunde zum Handy, stürzen sich in Arbeit oder suchen den nächsten Reiz. Ich kenne das von mir selbst. Lange war das keine Lust am Leben – es war die Flucht vor der Stille. Denn sobald um mich herum das letzte Geräusch wegfällt und ich einfach nichts tue, stehe ich plötzlich vor einem Berg. Unten im Lärm des Tals konnte ich mir noch aus dem Weg gehen. Aber hier, am Fuß der Stille, gibt es kein Entrinnen mehr. Es bleibt nur das „Ich“ übrig. Ungeschönt, ohne Ablenkung, ohne Rolle, ohne Ausreden. Nur ich und die Stimmen in meinem Kopf. ...

Der Himmel kann warten – Ein einzelner Baum auf einer weiten grünen Wiese vor den Vorarlberger Bergen und einem strahlend blauen Himmel

Der Himmel kann warten

Wer mag, der hört: Es gibt dieses eine Lied der Onkelz, das auf vielen Beerdigungen läuft: „Nur die Besten sterben jung.“ Wenn man an einem Grab steht und nicht begreifen kann, warum jemand viel zu früh fehlt, ist dieser Satz ein Pflaster für die Seele. Aber für die Lebenden, für die Jungs von morgen, taugt er nicht als Kompass. Für die Lebenden brauchen wir ein anderes Lied derselben Band: „Der Himmel kann warten.“ ...

Der Junge, der im Dunkeln sehen lernte – Zwei Männer sitzen in der Dämmerung am Dorfbrunnen und teilen ein Stück Brot

Der Junge, der im Dunkeln sehen lernte

Wer mag, hört beim Lesen: Es war einmal ein Junge, der wuchs in einem Haus auf, in dem das Licht nur selten bis auf den Boden fiel. Seine Hände waren noch klein, aber sie kannten schon das Zittern. Sein Rücken war noch weich, aber er wusste schon, wie man sich krümmt, wenn die Schritte vor der Tür schwer wurden. Und schlimmer als die Schläge, die man sah, waren die Sätze, die blieben. Sie zogen keine Grenze um das, was er tat – sie beschrieben, was er angeblich war: zu laut, zu wenig, verkehrt. ...

Die Zukunft ist ihm unbekannt, die Hoffnung nicht – Ein Wanderer im dunklen Stollen mit Blick auf das Licht am Ende des Tunnels

Die Zukunft ist ihm unbekannt, die Hoffnung nicht

Hinter ihm gab der Berg nach. Ein tiefes Grollen, ein Schlag, dann Staub, der ihm den Atem nahm. Als es wieder still wurde, lag hinter dem Wanderer eine Wand aus Fels und Ton. Das Tal, aus dem er gekommen war – das Bekannte, das Schöne, das Vertraute –, war verschüttet. Der Weg zurück existierte nicht mehr. Er stand im alten Stollen. Es war kalt. Unter seinen Schuhen lag scharfes Geröll, das der Einsturz aus der Decke gebrochen hatte. Über ihm, im unsichtbaren Gewölbe, raschelte und fiepte es. Fledermäuse, aufgeschreckt aus ihrem Schlaf, schossen dicht an seinem Gesicht vorbei durch die Finsternis. ...

Wie es ist, mit der Diagnose Bipolar 1 zu leben – Porträt von René Jochum neben dem Symbol :(:

Wie es ist, mit der Diagnose Bipolar 1 zu leben – aus dem Leben eines Betroffenen

„Bipolar“ klingt für viele nach einem bloßen Wechsel aus guter und schlechter Laune. Bei mir steht auf dem Papier allerdings Bipolar 1 mit psychotischen Symptomen – und wenn ich vollmanisch bin, hat das mit „guter Laune“ nichts mehr zu tun. Es fängt oft konstruktiv an: Ich habe unzählige Ideen, meistens mit dem ehrlichen Antrieb, Dinge grundlegend zu verbessern. Aber mein Kopf schaltet dabei in eine Geschwindigkeit, der von außen kaum noch jemand folgen kann. Es gibt keinen Filter mehr zwischen Denken und Sprechen – fast jeder Gedanke muss in exakt der Sekunde raus, in der er entsteht. Gleichzeitig bricht mein Kurzzeitgedächtnis weg: Was ich vor Tagen oder auch nur vor wenigen Momenten gesagt habe, ist fast im selben Augenblick wieder gelöscht. Es existiert nur noch dieses hochbeschleunigte Jetzt. ...

Wie man in den Wald hineinruft, so kommt es zurück

Wie man in den Wald hineinruft, so kommt es zurück

Manchmal geht man durch die Welt, und sie weicht einem aus. Die Menschen werden knapp, bevor ein Wort gefallen ist, manche gereizt. Sie spüren etwas an einem. Und man versteht sie, denn was von einem ausgeht, hält auf Abstand. Zu anderen Zeiten öffnen sich Türen. Menschen lachen mit einem, suchen die Nähe. Man ist einfach da, leicht und offen, und die Welt antwortet warm. Lange hielt man das eine für Glück und das andere für Pech. Dann erkennt man: Es ist ein Echo. Wie man in den Wald hineinruft, so kommt es zurück. Wenn es in einem dunkel ist, sieht man anders, geht anders in die Begegnung, und die Begegnung antwortet einem anders. Das Außen trägt, was im Innen lebt. ...