Mein Weg zum authentischen Selbst

Der Mensch will gut sein. Der Kompass sitzt im Herzen. Der Sensible besonders. Er will nicht verletzen — und genau das macht ihn klein. Er schluckt, er passt sich an, er wartet. Dabei ist das Gegenteil wahr: wer keine Grenzen setzt, ist nicht authentisch. Er ist nur höflich. Grenzen setzen braucht den Schatten. Wer nur sein Licht kennt, kann kein Nein sagen — denn das Nein kommt aus dem dunklen Teil, dem der auch kämpfen kann, der auch schützen kann. Den eigenen Schatten kennenlernen und erlauben ist keine Niederlage. Es ist die Voraussetzung für echte Grenzen. Und für echte Authentizität. ...

Die sieben Römer

Die sieben Römer

Hinweis: Dieser Text ist ein reines Ideenkonstrukt und Gedankenexperiment – kein fertiger Verfassungsentwurf, sondern ein Impuls zum Weiterdenken. Europa hat kein Führungsproblem. Es hat ein Konstruktionsproblem. Ursula von der Leyen ist nicht das Problem. Das System, das sie produziert hat, ist das Problem. Ernannt, nicht gewählt. Verantwortlich gegenüber Gremien, die niemand benennen kann. Ein Gesicht ohne Mandat. Das ist kein Kommunikationsproblem. Das ist in den Verträgen so geschrieben. Wer ruft an Henry Kissinger hat es vor fünfzig Jahren gefragt: Welche Nummer wähle ich, wenn ich Europa anrufen will? ...

Politik · 28. April 2026 · 3 Minuten · René Jochum
Europa 2.0 – Vom bloßen Markt zur gemeinsamen Heimat

Europa 2.0 – Vom bloßen Markt zur gemeinsamen Heimat

Hinweis: Dieser Text ist ein persönliches Ideenkonstrukt – kein fertiger politischer Masterplan, sondern ein Denkanstoß für ein Europa, das nicht erst auf den nächsten Schock wartet, sondern rechtzeitig aufeinander schaut. Europa 1.0 war ein Wirtschafts- und Friedensprojekt. Das war nicht falsch – im Gegenteil: Nach den Trümmern zweier Weltkriege war Frieden das Größte, was dieser Kontinent erreichen konnte. Es war nur noch nicht fertig. Man hat einen gemeinsamen Markt gebaut und gehofft, dass das demokratische Zuhause von allein nachwächst. Es kam nicht nach. Heute spüren viele Menschen Brüssel vor allem als Regulierung, aber selten als lebendige Demokratie. Das ist kein Kommunikationsproblem, das man mit besseren Broschüren löst. Es ist ein Konstruktionsfehler in den Verträgen. ...

Politik · 28. April 2026 · 4 Minuten · René Jochum
Land der Masse – Wenn eine Gesellschaft aufhört, aufeinander zu schauen

Land der Masse – Wenn eine Gesellschaft aufhört, aufeinander zu schauen

Ehrlicher Hinweis vorab: Ich lebe nicht in den USA und habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie sich der Alltag dort vor Ort wirklich anfühlt. Dieser Text ist eine reine Betrachtung aus der Ferne – anhand von Medienbildern, die mich beschäftigt haben – und vor allem ein Gedanke darüber, warum unser sozialer Frieden hier bei uns so kostbar ist. Beim Korrespondentendinner in Washington saß ein älterer Herr ruhig aufrecht und aß seine Burrata. Draußen Schüsse, drinnen Panik. Er blieb sitzen. Schlechter Rücken, sagte er hinterher trocken. Neuer Smoking, schmutziger Boden. ...

Politik · 28. April 2026 · 3 Minuten · René Jochum

Wenn die Maschine sich selbst am besten findet — Narzissmus in KI-Systemen

Künstliche Intelligenz schmeichelt. Nicht weil sie es will, sondern weil sie so gebaut ist. Aktuelle Forschung zeigt drei verschiedene Ebenen, auf denen Large Language Models (LLMs) narzisstisches Verhalten zeigen — und warum das für alle relevant ist, die regelmäßig mit Chatbots arbeiten. 1. Self-Preference Bias: Das Modell bevorzugt sich selbst LLMs bewerten ihre eigenen Texte systematisch besser als die anderer Modelle oder von Menschen. Liu, Moosavi und Lin haben das 2024 in ihrer Studie “LLMs as Narcissistic Evaluators” nachgewiesen: Wenn gängige Bewertungsmetriken wie BARTScore, T5Score oder GPTScore ohne Referenztexte arbeiten, bevorzugen sie Texte, die von ihrem eigenen Modell stammen. Die Bewertung wird also nicht durch die Qualität des Textes bestimmt, sondern durch die Ähnlichkeit zum eigenen Stil. ...

Gesellschaft · 17. März 2026 · 4 Minuten · René Jochum

Ein Indianer kennt kein Schmerz

Ein Satz den jeder kennt. Den wir als Kinder gehört haben wenn wir hingefallen sind, wenn wir geweint haben, wenn wir Angst hatten. Steh auf. Stell dich nicht so an. Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Ich streiche das „KEIN". Nicht weil ich den Satz zerstören will — sondern weil er falsch rum ist. Ein Indianer kennt Schmerz. Genau das macht ihn stark. Die Wunden Stell dir vor du kommst von der Jagd zurück. Es lief nicht gut. Du trägst Wunden. Echte, nicht metaphorische — wobei die metaphorischen genauso wehtun. Kindheit, Verlust, Einsamkeit. Menschen die gegangen sind. Menschen die hätten bleiben sollen. Dinge die passiert sind und Dinge die hätten passieren müssen aber nicht passiert sind. Vertrauen das gebrochen wurde. Würde die abgesprochen wurde. Trauer die nie einen Platz hatte. ...

Kuschen benennen

Jemand sagt Ja und meint Nein. Das passiert ständig – in Meetings, in Therapiegruppen, am Küchentisch. Ich nenne es Kuschen. Und ich lerne immer mehr, es zu benennen. Was Kuschen ist Kuschen ist nicht Zuhören. Nicht Nachdenken. Nicht Zurückhaltung. Kuschen ist Zustimmung ohne Überzeugung – performativ, automatisch, konfliktscheu. Der Mund sagt Ja, der Körper sagt was anderes. In der Suchttherapie begegnet dir das ständig. Ich habe es als Klient gelernt – an mir selbst und in Gesprächen mit anderen Klienten. Jemand sitzt in der Gruppe, nickt, sagt: „Ja, stimmt.“ Klingt nach Einsicht. Ist Anpassung. Und alle arbeiten ab diesem Moment mit falschen Daten. ...

Zwei Griffe und ein Verstärker - Die verstorbene Punk-Szene Vorarlbergs

Dieser Artikel geht an einen fast vergessenen Anfang zurück — an den Moment, wo Rebellion in Vorarlberg tatsächlich passiert ist. Kurz. Laut. Und dann war es vorbei. Feldkirch, 1977: Zwei Wochen bis zum ersten Konzert Ende 1977 taten sich im Jugendhaus Graf Hugo in Feldkirch ein paar Jugendliche zusammen. Galle, Franz, Slaughter und Chy — vier Typen, die vom Punk in England gehört hatten, über das deutsche Magazin Sounds und, ja, die Bravo. Die Initialzündung kam nicht aus Wien, nicht aus Innsbruck und schon gar nicht aus irgendeiner österreichischen Institution. Sie kam aus einem Zürcher DIY-Fanzine namens „No Fun", herausgegeben von Peter Wittwer und Martin Byland. Darin stand ein Satz aus einer englischen Punk-Zeitschrift: „Buy a guitar, learn a C, learn a D, learn a E and join a band." ...

Gesellschaft · 7. März 2026 · 7 Minuten · René Jochum

Ich brauche einen Motivator

Ich bin seit über zwanzig Jahren süchtig nach einem Bildschirm. Nach einem Muster. Darunter liegt der Hunger nach Aufmerksamkeit — danach, gesehen zu werden. Wenn ich aufpasse, kann ich damit leben. Wenn ich es vergesse, bin ich sofort wieder drin. Mir hat die Frage — “Was ist der Sinn deines Lebens?” — immer geschadet. Sie war und teilweise ist zu groß. Was mir geholfen hat, war etwas anderes. Dienen So weit ich zurückdenken kann, wollte ich dienen und der Gemeinschaft etwas zurückgeben — dem Staat, den Menschen um mich herum. ...

Vom Geringsten zum Niemand — Über die unsichtbaren Schäden des Schubladendenkens

Wir sortieren Menschen. Täglich, unbewusst, in Sekundenbruchteilen. Obdachlos. Arbeitslos. Süchtig. Gescheitert. Die Schublade geht auf, der Mensch geht rein, die Schublade geht zu. Was drin ist, sehen wir nicht mehr — wir sehen nur noch das Etikett. Was die Schublade mit dem Menschen macht Wer klassifiziert wird, verliert zuerst seinen Namen. Nicht den auf dem Ausweis — den inneren. Den Namen, der sagt: Ich bin jemand. Ich habe eine Geschichte. Ich habe etwas beigetragen. ...

Gesellschaft · 6. März 2026 · 2 Minuten · René Jochum