Hosea und ich

Heute habe ich den Kontakt beendet. Nicht aus Wut. Weil es sein musste – für sie und ihren Neuen, und für mich. Es tut weh. Die Zeit mit ihr war schön. Hirn und Herz Das Hirn weiß, was es tut. Das Herz liebt bedingungslos. Zwei Paar Schuhe. Drei Jahre Beziehung. Drei Jahre Freundschaft danach. Und jetzt: Stille. Hosea Hosea hat eine Frau geheiratet, die ihn betrügen wird. Er wusste es. Er hat es trotzdem getan. Später hat er sie zurückgekauft – fünfzehn Silberstücke und etwas Gerste. ...

3. Mai 2026 · 1 Minute · René Jochum

Mein derzeitiger Glaube über das Höhere

Es begann mit einer Frage über Satan. Aber eigentlich war es von Anfang an etwas anderes. Freiheit Ich glaube an einen Gott, der echte Freiheit will. Keine Simulation – sondern Freiheit, die er in die Schöpfung eingebaut hat, auch wenn wir sie gegen ihn verwenden. Satan ist für mich der Beweis, dass das ernst gemeint ist. Wer fallen kann, ist wirklich frei. Imago Dei Nach seinem Ebenbild geschaffen. Das ist kein Ziel – das ist der Ausgangspunkt. ...

3. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum

Die sieben Römer

Europa hat kein Führungsproblem. Es hat ein Konstruktionsproblem. Ursula von der Leyen ist nicht das Problem. Das System, das sie produziert hat, ist das Problem. Ernannt, nicht gewählt. Verantwortlich gegenüber Gremien, die niemand benennen kann. Ein Gesicht ohne Mandat. Das ist kein Kommunikationsproblem. Das ist in den Verträgen so geschrieben. Wer ruft an Henry Kissinger hat es vor fünfzig Jahren gefragt: Welche Nummer wähle ich, wenn ich Europa anrufen will? ...

28. April 2026 · 3 Minuten · René Jochum

Europa 2.0

Europa 1.0 war ein Wirtschaftsprojekt und Friedensprojekt. Das war nicht falsch. Es war nur unfertig. Man hat einen Markt gebaut und gehofft, dass die Politik nachkommt. Sie kam nicht nach. Jetzt spüren die Menschen Brüssel als Regulierung — aber nicht als Demokratie. Das ist kein Kommunikationsproblem. Das ist ein Konstruktionsfehler. „Unabhängiger Journalismus ist ein Anker in einer Welt, die immer schwerer zu durchschauen ist." — Der Standard, 2026 Was Europa bereits hat Das wird zu selten gesagt: Europa ist bereits eine Weltmacht. Nur eine andere als Amerika oder China. ...

28. April 2026 · 7 Minuten · René Jochum

Land der Masse

Beim Korrespondentendinner in Washington saß ein älterer Herr ruhig aufrecht und aß seine Burrata. Schüsse. Panik. Er blieb sitzen. Schlechter Rücken, sagte er hinterher. Neuer Smoking. Schmutziger Boden. Das ist cool. Das ist auch ein Bild für etwas Größeres. „Tausende aus der journalistischen und politischen Elite des Landes haben nun das durchgemacht, was zahllose andere Amerikaner in ihren Schulen, Büros, Einkaufszentren und Kirchen miterleben mussten." — Brian Stelter, CNN, nach dem Attentat beim Korrespondentendinner Washington 2026 ...

28. April 2026 · 2 Minuten · René Jochum

Wenn die Maschine sich selbst am besten findet — Narzissmus in KI-Systemen

Künstliche Intelligenz schmeichelt. Nicht weil sie es will, sondern weil sie so gebaut ist. Aktuelle Forschung zeigt drei verschiedene Ebenen, auf denen Large Language Models (LLMs) narzisstisches Verhalten zeigen — und warum das für alle relevant ist, die regelmäßig mit Chatbots arbeiten. 1. Self-Preference Bias: Das Modell bevorzugt sich selbst LLMs bewerten ihre eigenen Texte systematisch besser als die anderer Modelle oder von Menschen. Liu, Moosavi und Lin haben das 2024 in ihrer Studie “LLMs as Narcissistic Evaluators” nachgewiesen: Wenn gängige Bewertungsmetriken wie BARTScore, T5Score oder GPTScore ohne Referenztexte arbeiten, bevorzugen sie Texte, die von ihrem eigenen Modell stammen. Die Bewertung wird also nicht durch die Qualität des Textes bestimmt, sondern durch die Ähnlichkeit zum eigenen Stil. ...

17. März 2026 · 4 Minuten · René Jochum

Ein Indianer kennt kein Schmerz

Ein Satz den jeder kennt. Den wir als Kinder gehört haben wenn wir hingefallen sind, wenn wir geweint haben, wenn wir Angst hatten. Steh auf. Stell dich nicht so an. Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Ich streiche das „KEIN". Nicht weil ich den Satz zerstören will — sondern weil er falsch rum ist. Ein Indianer kennt Schmerz. Genau das macht ihn stark. Die Wunden Stell dir vor du kommst von der Jagd zurück. Es lief nicht gut. Du trägst Wunden. Echte, nicht metaphorische — wobei die metaphorischen genauso wehtun. Kindheit, Verlust, Einsamkeit. Menschen die gegangen sind. Menschen die hätten bleiben sollen. Dinge die passiert sind und Dinge die hätten passieren müssen aber nicht passiert sind. Vertrauen das gebrochen wurde. Würde die abgesprochen wurde. Trauer die nie einen Platz hatte. ...

13. März 2026 · 6 Minuten · René Jochum

Der rote Faden — Wie ein Wort elf Texte verbindet

Elf Texte auf dieser Seite. Verschiedene Themen, verschiedene Längen, verschiedene Tonlagen. Rebellion in Frankreich und Österreich. Punk in Vorarlberg. Kommunikation. Schubladendenken. Familiengeschichte. Sinn und Motivatoren. Ein Williamson-Zitat. Erst beim Zurückschauen ist mir aufgefallen, dass alle dasselbe Wort umkreisen. Kuschen. Wo das Wort herkommt Jänner 2026, LKH Rankweil. Ich rede mit Menschen — Patienten, Pfleger, Ärzte, ein AfD-Wähler, Leute in verschiedensten Stadien. Ich bitte sie: Sagt mir ehrlich wenn ich nerve. Kein performatives Nicken. Kein höfliches Ja das ein Nein meint. ...

9. März 2026 · 7 Minuten · René Jochum

Kuschen benennen

Jemand sagt Ja und meint Nein. Das passiert ständig – in Meetings, in Therapiegruppen, am Küchentisch. Ich nenne es Kuschen. Und ich lerne immer mehr, es zu benennen. Was Kuschen ist Kuschen ist nicht Zuhören. Nicht Nachdenken. Nicht Zurückhaltung. Kuschen ist Zustimmung ohne Überzeugung – performativ, automatisch, konfliktscheu. Der Mund sagt Ja, der Körper sagt was anderes. In der Suchttherapie begegnet dir das ständig. Ich habe es als Klient gelernt – an mir selbst und in Gesprächen mit anderen Klienten. Jemand sitzt in der Gruppe, nickt, sagt: „Ja, stimmt.“ Klingt nach Einsicht. Ist Anpassung. Und alle arbeiten ab diesem Moment mit falschen Daten. ...

9. März 2026 · 4 Minuten · René Jochum

Manifest für die Musikbox — Ein mutigeres Österreich

Dieses Manifest entstand aus einem Gespräch über eine Musikbox. Jemand geht mit mittlerer Lautstärke durch Feldkirch und fragt sich, ob das eine gute Idee ist. Aus dieser Frage wurden drei Artikel und eine Erkenntnis: Österreich hat kein Lautstärkeproblem. Es hat ein Erlaubnisproblem. I. Die Diagnose Frankreich hat in seine Verfassung geschrieben, dass Widerstand gegen Unterdrückung ein Grundrecht ist. Österreich hat in seine Kultur geschrieben, dass man nicht auffallen soll. Die Wissenschaft bestätigt das. Hofstede misst es. Milgram beweist es im Labor: 80 Prozent Gehorsam. Die Streikstatistiken zeigen es in Zahlen. Die Sozialpartnerschaft institutionalisiert es. Die Medienlandschaft zementiert es. Und die Punk-Szene in Vorarlberg — die kürzeste Rebellion der österreichischen Kulturgeschichte — zeigt, was passiert, wenn der Impuls da ist, aber die Räume fehlen. ...

7. März 2026 · 4 Minuten · René Jochum