Geburtenrate – Gott erlaubt Fehler

Geburtenrate - Gott erlaubt Fehler

Die Geburtenrate sinkt. Alle reden über Geld und Wohnungen. Das stimmt. Trotzdem trifft es den Kern nicht. Der Kern ist Angst Menschen bekommen keine Kinder, weil sie sich die Zukunft nicht mehr vorstellen können. Weil sie glauben, sie müssten perfekt sein, um Eltern zu sein. Weil ein Fehler heute genügt, um disqualifiziert zu werden. So fühlt es sich an. Das erstickt. Was ich als gläubiger gelernt habe: Gott vergibt. Gott will sogar, dass wir Fehler machen, um daraus zu lernen. Das ist keine Schwäche. Das ist der Boden, auf dem ein Mensch überhaupt leben kann. ...

23. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum
Kickl sorgte mit seinem Sager am 1. Mai für Wirbel. (Bild: APA/FOTOKERSCHI.AT/KERSCHBAUMMAYR)

Die "gesunde Watschn" — ein politisches Armutszeugnis

Herbert Kickl fordert eine gesunde Watschn für Kinder. Das Adjektiv ist ein rhetorischer Trick. Es soll Gewalt zur Medizin machen. Als gäbe es eine kranke Watschn und eine gesunde. Als wäre die Grenze zwischen Erziehung und Misshandlung eine Frage der Dosierung. Ist sie nicht. Kinder können nie was dafür. Sie machen, was ihnen Eltern, Umgebung und Kultur beigebracht haben. Jedes “schwierige” Verhalten eines Kindes ist eine Botschaft über das System, in dem es lebt. ...

21. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum

Unterdrückte unterdrücken, freie machen frei

Ich schreibe das nicht aus der Theorie. Ich war lange genug Opfer, um zu wissen, wie sich das anfühlt von innen. Und ich habe selbst unterdrückt — Menschen klein gemacht, mich an ihnen entlastet, die Last weitergegeben, die auf mir lag. Beides gehört zu mir. Beides ist nicht zu beschönigen. Heute bin ich frei. Oder genauer: ich bin auf dem Weg. Ich versuche, ein Krieger des Lichts zu sein, im Sinne Coelhos — also einer, der fällt, wieder aufsteht, zweifelt, weitergeht. Kein Held. Ein Übender. ...

21. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum

Augenhöhe oder was die KI nicht kann

Dinge, die eine Maschine nicht hat oder die nur mit einem lebendigen Gegenüber funktionieren Ein Herz haben. Wahre Hoffnung geben. Zwischen den Zeilen lesen. Ironie. Zusammenhalten. Der gute Wille. Erfahrung sammeln bei derselben Tätigkeit – wie der alte Mechaniker, der weiß, wo der Hammerschlag hingehört, weil er dreißig Jahre an diesem Motor gearbeitet hat. Der Punkt, der mich am meisten beschäftigt, war der letzte. Ich arbeite seit einer Weile mit Menschen in Sucht und psychischer Krise. Mein Anker dort ist nichts, was ich in einer Ausbildung gelernt habe. ...

20. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum

Je weniger, desto mehr

Die Alten bauten auf: Straßen, Häuser, Wissen, Frieden. Wir erbtens. Das verdient Respekt. Heute haben wir alles. Informationen. Wahl. Komfort. Reize ohne Ende. Und verlieren dabei: Tiefe. Ruhe. Spielraum im Kopf. Wer alles hat, muss lernen, nichts zu haben. Jesus ging in die Wüste. Mohammed in die Höhle. Beide hatten eine Weile nichts. Erst dann kam das, wofür wir sie kennen. In der Leere wird der Blick klar. Ohne Geräusch hört man das Eigene. Ohne Besitz hat man die Hände frei. ...

19. Mai 2026 · 1 Minute · René Jochum
Die Mitte liegt in der Dualität

Die Mitte liegt in der Dualität

Manie und Depression. Tag und Nacht. Licht und Schatten. Lange habe ich gegen einen der Pole gekämpft. Ich habe geglaubt, einer sei mein Feind. Ich habe geglaubt, ich müsste mich entscheiden. Heute weiß ich es besser. Die Freiheit kommt zuerst. Sie ist das Erste, was wir bekommen — von Gott, vom Leben, von dem, was uns trägt. Mit ihr entscheide ich jeden Tag, wie ich mit beiden Polen lebe. Die eine Wahl: sich an einen Pol verlieren. Sich identifizieren. Ihn für die ganze Wahrheit halten. Gegen den anderen kämpfen. ...

16. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum

Über den Tellerrand denken als Beruf

Ich war nie gut darin, in der Spur zu bleiben. Mein Kopf zieht permanent Verbindungen, die in der Spur schlicht nicht vorgesehen sind. Theologie und Geopolitik. Musik und Spiritualität. Österreichische Enge und globales Denken. Das wurde mir oft als Unzuverlässigkeit ausgelegt. Als wäre “fokussiert bleiben” ein Synonym für “weniger weit sehen.” Ich bin in einer konservativen Kultur aufgewachsen. Österreich hält seine Formen. Das hat seinen Wert — Kontinuität, Tiefe, Verwurzelung. Aber es kostet auch etwas: Wer quer denkt, zahlt dafür. Mit Isolation. Mit dem Gefühl, nie ganz dazuzugehören. ...

16. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum

An der Türe - Wie der Kampfmodus als Sani helfen kann

Es war ein schwerer Tag. Jemand, den ich liebe, wurde auf eine intensivere psychiatrische Station verlegt. Ich war dabei. Es gab Vertrauen. Das ist genug zu sagen. Die Szene An einer Türe. Meine Hand. Ein Satz, leise: „Die tun dir gut." Vertrauen hat einen Weg durch den Sturm gefunden. Was ich in diesem Moment gespürt habe: Liebe. Einfach. Vollständig. Auch Angst, ja — aber der Mut war größer. Und der Mut kam aus der Angst, dass jemand erlebt, was ich erleben musste. ...

15. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum

Wenn du zu viel verstehst — ein Ratgeber für Männer, die zu viel tragen

Du verstehst sie. Wirklich. Du siehst, was sie geprägt hat, wo ihre Wunden sitzen. Du kannst ihre Reaktionen vorhersagen, bevor sie passieren. Das fühlt sich nach Liebe an. Ist es auch. Aber es ist eine Liebe mit einem blinden Fleck. Verständnis als Falle Der blinde Fleck ist nicht das Verstehen selbst. Es ist die Verwechslung von Verstehen mit Entlasten. Verstehen kann auch heißen: ich sehe, was dir wehtut — und sage es trotzdem. Verstehen kann fordern. Wenn es nicht fordert, ist es kein Verstehen. Dann ist es Konfliktvermeidung, die sich als Verstehen tarnt. ...

15. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum

Mein Weg zum Authentischen selbst

Der Mensch will gut sein. Der Kompass sitzt im Herzen. Der Sensible besonders. Er will nicht verletzen — und genau das macht ihn klein. Er schluckt, er passt sich an, er wartet. Dabei ist das Gegenteil wahr: wer keine Grenzen setzt, ist nicht authentisch. Er ist nur höflich. Grenzen setzen braucht den Schatten. Wer nur sein Licht kennt, kann kein Nein sagen — denn das Nein kommt aus dem dunklen Teil, dem der auch kämpfen kann, der auch schützen kann. Den eigenen Schatten kennenlernen und erlauben ist keine Niederlage. Es ist die Voraussetzung für echte Grenzen. Und für echte Authentizität. ...

5. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum