Augenhöhe oder was die KI nicht kann

Dinge, die eine Maschine nicht hat oder die nur mit einem lebendigen Gegenüber funktionieren Ein Herz haben. Wahre Hoffnung geben. Zwischen den Zeilen lesen. Ironie. Zusammenhalten. Der gute Wille. Erfahrung sammeln bei derselben Tätigkeit – wie der alte Mechaniker, der weiß, wo der Hammerschlag hingehört, weil er dreißig Jahre an diesem Motor gearbeitet hat. Der Punkt, der mich am meisten beschäftigt, war der letzte. Ich arbeite seit einer Weile mit Menschen in Sucht und psychischer Krise. Mein Anker dort ist nichts, was ich in einer Ausbildung gelernt habe. ...

20. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum

Je weniger, desto mehr

Die Alten bauten auf: Straßen, Häuser, Wissen, Frieden. Wir erbtens. Das verdient Respekt. Heute haben wir alles. Informationen. Wahl. Komfort. Reize ohne Ende. Und verlieren dabei: Tiefe. Ruhe. Spielraum im Kopf. Wer alles hat, muss lernen, nichts zu haben. Jesus ging in die Wüste. Mohammed in die Höhle. Beide hatten eine Weile nichts. Erst dann kam das, wofür wir sie kennen. In der Leere wird der Blick klar. Ohne Geräusch hört man das Eigene. Ohne Besitz hat man die Hände frei. ...

19. Mai 2026 · 1 Minute · René Jochum

Die Mitte liegt in der Dualität

Manie und Depression. Tag und Nacht. Licht und Schatten. Lange habe ich gegen einen der Pole gekämpft. Ich habe geglaubt, einer sei mein Feind. Ich habe geglaubt, ich müsste mich entscheiden. Heute weiß ich es besser. Die Freiheit kommt zuerst. Sie ist das Erste, was wir bekommen — von Gott, vom Leben, von dem, was uns trägt. Mit ihr entscheide ich jeden Tag, wie ich mit beiden Polen lebe. Die eine Wahl: sich an einen Pol verlieren. Sich identifizieren. Ihn für die ganze Wahrheit halten. Gegen den anderen kämpfen. ...

16. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum

Über den Tellerrand denken als Beruf

Ich war nie gut darin, in der Spur zu bleiben. Mein Kopf zieht permanent Verbindungen, die in der Spur schlicht nicht vorgesehen sind. Theologie und Geopolitik. Musik und Spiritualität. Österreichische Enge und globales Denken. Das wurde mir oft als Unzuverlässigkeit ausgelegt. Als wäre “fokussiert bleiben” ein Synonym für “weniger weit sehen.” Ich bin in einer konservativen Kultur aufgewachsen. Österreich hält seine Formen. Das hat seinen Wert — Kontinuität, Tiefe, Verwurzelung. Aber es kostet auch etwas: Wer quer denkt, zahlt dafür. Mit Isolation. Mit dem Gefühl, nie ganz dazuzugehören. ...

16. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum

An der Türe - Wie der Kampfmodus als Sani helfen kann

Es war ein schwerer Tag. Jemand, den ich liebe, wurde auf eine intensivere psychiatrische Station verlegt. Ich war dabei. Es gab Vertrauen. Das ist genug zu sagen. Die Szene An einer Türe. Meine Hand. Ein Satz, leise: „Die tun dir gut." Vertrauen hat einen Weg durch den Sturm gefunden. Was ich in diesem Moment gespürt habe: Liebe. Einfach. Vollständig. Auch Angst, ja — aber der Mut war größer. Und der Mut kam aus der Angst, dass jemand erlebt, was ich erleben musste. ...

15. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum

Wenn du zu viel verstehst — ein Ratgeber für Männer, die zu viel tragen

Du verstehst sie. Wirklich. Du siehst, was sie geprägt hat, wo ihre Wunden sitzen. Du kannst ihre Reaktionen vorhersagen, bevor sie passieren. Das fühlt sich nach Liebe an. Ist es auch. Aber es ist eine Liebe mit einem blinden Fleck. Verständnis als Falle Der blinde Fleck ist nicht das Verstehen selbst. Es ist die Verwechslung von Verstehen mit Entlasten. Verstehen kann auch heißen: ich sehe, was dir wehtut — und sage es trotzdem. Verstehen kann fordern. Wenn es nicht fordert, ist es kein Verstehen. Dann ist es Konfliktvermeidung, die sich als Verstehen tarnt. ...

15. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum

Mein Weg zum Authentischen selbst

Der Mensch will gut sein. Der Kompass sitzt im Herzen. Der Sensible besonders. Er will nicht verletzen — und genau das macht ihn klein. Er schluckt, er passt sich an, er wartet. Dabei ist das Gegenteil wahr: wer keine Grenzen setzt, ist nicht authentisch. Er ist nur höflich. Grenzen setzen braucht den Schatten. Wer nur sein Licht kennt, kann kein Nein sagen — denn das Nein kommt aus dem dunklen Teil, dem der auch kämpfen kann, der auch schützen kann. Den eigenen Schatten kennenlernen und erlauben ist keine Niederlage. Es ist die Voraussetzung für echte Grenzen. Und für echte Authentizität. ...

5. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum

Hosea und ich

Heute habe ich den Kontakt beendet. Nicht aus Wut. Weil es sein musste – für sie und ihren Neuen, und für mich. Es tut weh. Die Zeit mit ihr war schön. Hirn und Herz Das Hirn weiß, was es tut. Das Herz liebt bedingungslos. Zwei Paar Schuhe. Drei Jahre Beziehung. Drei Jahre Freundschaft danach. Und jetzt: Stille. Hosea Hosea hat eine Frau geheiratet, die ihn betrügen wird. Er wusste es. Er hat es trotzdem getan. Später hat er sie zurückgekauft – fünfzehn Silberstücke und etwas Gerste. ...

3. Mai 2026 · 1 Minute · René Jochum

Mein derzeitiger Glaube über das Höhere

Es begann mit einer Frage über Satan. Aber eigentlich war es von Anfang an etwas anderes. Freiheit Ich glaube an einen Gott, der echte Freiheit will. Keine Simulation – sondern Freiheit, die er in die Schöpfung eingebaut hat, auch wenn wir sie gegen ihn verwenden. Satan ist für mich der Beweis, dass das ernst gemeint ist. Wer fallen kann, ist wirklich frei. Imago Dei Nach seinem Ebenbild geschaffen. Das ist kein Ziel – das ist der Ausgangspunkt. ...

3. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum

Die sieben Römer

Europa hat kein Führungsproblem. Es hat ein Konstruktionsproblem. Ursula von der Leyen ist nicht das Problem. Das System, das sie produziert hat, ist das Problem. Ernannt, nicht gewählt. Verantwortlich gegenüber Gremien, die niemand benennen kann. Ein Gesicht ohne Mandat. Das ist kein Kommunikationsproblem. Das ist in den Verträgen so geschrieben. Wer ruft an Henry Kissinger hat es vor fünfzig Jahren gefragt: Welche Nummer wähle ich, wenn ich Europa anrufen will? ...

28. April 2026 · 3 Minuten · René Jochum