Der Core soll nichts wissen

Der Core soll nichts wissen

In Drei Rewrites stand ein Satz, über den ich schnell hinweggegangen bin: Hooks vor und nach jeder Action — Logging, Dry-Run, Fehlerkontext, alles ohne den Core anzufassen. Ein Halbsatz. Aber genau da steckt das, worauf der dritte Versuch hinausgelaufen ist. Heute will ich diese eine Zeile auspacken. Es wird länger. Was ein Hook ist Ein Hook ist eine Funktion, die ich vor oder nach einer Aktion dazwischenschiebe. ensure, delete, start, stop — jede Aktion, die incus-compose auf einer Ressource ausführt, lässt sich abfangen. Vorher und nachher. ...

18. Juni 2026 · 6 Minuten · René Jochum
Drei Rewrites

Drei Rewrites

Ich hasse Spaghetti-Code. Unter anderem Warzone 2100 hat mir 2011 gezeigt warum. C-Code, Globals überall. Man ändert eine Variable und drei Dinge brechen, die scheinbar nichts damit zu tun haben. Man liest den Code und weiß nicht, wo eine Entscheidung anfängt und wo sie aufhört. 3 Jahre - von 2022 bis 2025 habe ich an go-orb gearbeitet. Allein. Ein Framework für verteilte Systeme, gedacht als Nachfolger von go-micro. Config von überall, service discovery, RPC, streaming, pub/sub, kvstore, metrics. Jede neue Idee wurde ein Feature, jedes Feature ein Plugin. ...

8. Juni 2026 · 3 Minuten · René Jochum
Wie man in den Wald hineinruft, so kommt es zurück

Wie man in den Wald hineinruft, so kommt es zurück

Manchmal geht man durch die Welt, und sie weicht einem aus. Die Menschen werden knapp, bevor ein Wort gefallen ist, manche gereizt. Sie spüren etwas an einem. Und man versteht sie, denn was von einem ausgeht, hält auf Abstand. Zu anderen Zeiten öffnen sich Türen. Menschen lachen mit einem, suchen die Nähe. Man ist einfach da, leicht und offen, und die Welt antwortet warm. Lange hielt man das eine für Glück und das andere für Pech. Dann erkennt man: Es ist ein Echo. Wie man in den Wald hineinruft, so kommt es zurück. Wenn es in einem dunkel ist, sieht man anders, geht anders in die Begegnung, und die Begegnung antwortet einem anders. Das Außen trägt, was im Innen lebt. ...

1. Juni 2026 · 1 Minute · René Jochum
Mein Gebet

Mein Gebet

Ich bete jeden Tag dasselbe. Bitte zeig mir meine Fehler. Entschuldigung für diese. Danke für deinen Segen, Herr. Dein Wille möge der meine sein. Dein Gesetz das meine. Und ich möchte dir helfen, es umzusetzen. Das ist Gewohnheit, die zur Ausrichtung wird. Jeden Morgen neu. Jemand hat mich gefragt: Wenn sein Wille über deinem steht — zweifelst du? Nein. Ich hoffe, dass er meinen überschreibt. Vollständig. Stück für Stück. Und was bleibt dann von mir übrig? ...

31. Mai 2026 · 1 Minute · René Jochum
Der Mann, der alles verlor und zweifach zurückbekam

Der Mann, der alles verlor und zweifach zurückbekam

Es war einmal ein Mann, der war gut. Untadelig und rechtschaffen, einer, der das Böse mied. Er war gut, wie ein Stein still ist — von Geburt an, ohne dass er je gewählt hätte. Da kamen die bösen Kräfte. Sie nahmen ihm zuerst das Außen: den Besitz und die Menschen, die er liebte. Dann griffen sie nach innen, nach dem Leib und dem Schlaf. Sie wollten wissen, ob das Gute hielte, wenn man ihm den Boden wegzog. ...

30. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum
Die Hände, die nicht zu ihm gehören

Die Hände, die nicht zu ihm gehören

Ich denke an einen fiktiven Menschen. Er ist Pazifist — nicht weil er es gelesen hat, sondern weil er Gewalt erlebt hat und sie ablehnt. Er kommt aus einem Land, in dem Männer stark sind und keine Scham zeigen dürfen. Er flieht. Er kommt hier an. Er trägt etwas mit sich. Die Überzeugung, dass Frieden möglich ist, wenn jemand ihn anfängt. Er wollte hier beitragen. Nicht als Geste — weil er weiß, was passiert, wenn es niemand tut. Er hat gesehen, wohin Hass führt. Er wollte das Gegenteil leben. ...

29. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum
Das schwarze Schaf mit dem Kübel

Das schwarzen Schaf mit dem Kübel

Es war einmal ein schwarzes Schaf. Es lebte in einem Dorf voller Schafe und trug einen Kübel mit sich. Einen Dreckkübel. Alles, was es sich nicht erlaubt hatte zu sein, alles, was das Dorf nicht sehen wollte, lag darin. Es konnte den Kübel nicht abstellen. Eine Zeit lang dachte das Schaf daran, den Kübel auszukippen. Über die anderen. Sie sollten auch schwarz werden, dachte es, dann wäre es nicht mehr allein. Es stellte sich Nächte vor, in denen es durchs Dorf zog und Farbe verspritzte. Der Gedanke wärmte und vergiftete zugleich. ...

27. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum
Die stille Gewalt des Opferseins

Die stille Gewalt des Opferseins

Es gibt eine Form von Selbstzerstörung, die sich anfühlt wie Schutz. Sie heißt: Ich bin das Opfer, alle anderen sind schuld. Ich kenne diese Haltung von innen. Über Jahre war ich der Arme. Wenn etwas nicht klappte, lag es an den Umständen oder an den Menschen um mich. Vor allem an meinen Eltern. Sie waren jahrelang die Adresse für meine Schuldzuweisungen, für vieles, wofür ich selbst hätte einstehen müssen. Inzwischen haben wir alles geklärt. Ich habe mich bei ihnen entschuldigt, auf eine Art, die mir wichtig war. Zwischen uns ist Frieden. Gerade weil dieser Frieden da ist, kann ich heute klarer auf das schauen, was ich damals war: ein Mensch, der niemandem etwas Schlechtes wollte und der trotzdem viel Schaden angerichtet hat. ...

27. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum
Die Narren, die aufeinander schauen und einander erkennen

Die Narren, die aufeinander schauen und einander erkennen

Der Narr ist eine der ältesten Figuren der Menschheit. Er trägt viele Namen — Schamane, Derwisch, Mystiker, Hofnarr. Was ihn verbindet: eine innere Freiheit, die äußere Verhältnisse überdauert. Er sieht anders und spricht aus, was andere verschweigen. Er ist unbuybar. Der Narr kennt das Wort Nein — zu sich und zu anderen. Seine Verwirrung ist sein Rohmaterial. Seine Klarheit, das Ergebnis. Man nennt sie Narren. Der Hofnarr hatte eine Funktion. Er durfte sprechen, was der König hören musste. Seine Andersheit war geschützt, weil sie der Wahrheit diente. ...

25. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum
Auch der geht vorbei

Auch der geht vorbei

Gestern hab ich mit der Familie einen Hund zu Grabe getragen. Wir haben ihn bis zum letzten Atemzug begleitet. Ein lieber, lieber Kämpfer — für seine Lieben. Ich hab der Familie Psalm 23 vorgelesen — damit sie sehen: auch das finstere Tal geht vorbei. Am Abend dachte ich: jetzt tu ich mir was Gutes. Ich bin feiern gegangen. Um sechs in der Früh ins Bett, direkt eingeschlafen. Um vierzehn Uhr wieder raus. Der Tag war depressiv. ...

24. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum