Mein Gebet

Mein Gebet

Ich bete jeden Tag dasselbe. Bitte zeig mir meine Fehler. Entschuldigung für diese. Danke für deinen Segen, Herr. Dein Wille möge der meine sein. Dein Gesetz das meine. Und ich möchte dir helfen, es umzusetzen. Das ist Gewohnheit, die zur Ausrichtung wird. Jeden Morgen neu. Jemand hat mich gefragt: Wenn sein Wille über deinem steht — zweifelst du? Nein. Ich hoffe, dass er meinen überschreibt. Vollständig. Stück für Stück. Und was bleibt dann von mir übrig? ...

31. Mai 2026 · 1 Minute · René Jochum
Der Mann, der alles verlor und zweifach zurückbekam

Der Mann, der alles verlor und zweifach zurückbekam

Es war einmal ein Mann, der war gut. Untadelig und rechtschaffen, einer, der das Böse mied. Er war gut, wie ein Stein still ist — von Geburt an, ohne dass er je gewählt hätte. Da kamen die bösen Kräfte. Sie nahmen ihm zuerst das Außen: den Besitz und die Menschen, die er liebte. Dann griffen sie nach innen, nach dem Leib und dem Schlaf. Sie wollten wissen, ob das Gute hielte, wenn man ihm den Boden wegzog. ...

30. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum
Die Hände, die nicht zu ihm gehören

Die Hände, die nicht zu ihm gehören

Ich denke an einen fiktiven Menschen. Er ist Pazifist — nicht weil er es gelesen hat, sondern weil er Gewalt erlebt hat und sie ablehnt. Er kommt aus einem Land, in dem Männer stark sind und keine Scham zeigen dürfen. Er flieht. Er kommt hier an. Er trägt etwas mit sich. Die Überzeugung, dass Frieden möglich ist, wenn jemand ihn anfängt. Er wollte hier beitragen. Nicht als Geste — weil er weiß, was passiert, wenn es niemand tut. Er hat gesehen, wohin Hass führt. Er wollte das Gegenteil leben. ...

29. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum
Das schwarze Schaf mit dem Kübel

Das schwarzen Schaf mit dem Kübel

Es war einmal ein schwarzes Schaf. Es lebte in einem Dorf voller Schafe und trug einen Kübel mit sich. Einen Dreckkübel. Alles, was es sich nicht erlaubt hatte zu sein, alles, was das Dorf nicht sehen wollte, lag darin. Es konnte den Kübel nicht abstellen. Eine Zeit lang dachte das Schaf daran, den Kübel auszukippen. Über die anderen. Sie sollten auch schwarz werden, dachte es, dann wäre es nicht mehr allein. Es stellte sich Nächte vor, in denen es durchs Dorf zog und Farbe verspritzte. Der Gedanke wärmte und vergiftete zugleich. ...

27. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum
Die stille Gewalt des Opferseins

Die stille Gewalt des Opferseins

Es gibt eine Form von Selbstzerstörung, die sich anfühlt wie Schutz. Sie heißt: Ich bin das Opfer, alle anderen sind schuld. Ich kenne diese Haltung von innen. Über Jahre war ich der Arme. Wenn etwas nicht klappte, lag es an den Umständen oder an den Menschen um mich. Vor allem an meinen Eltern. Sie waren jahrelang die Adresse für meine Schuldzuweisungen, für vieles, wofür ich selbst hätte einstehen müssen. Inzwischen haben wir alles geklärt. Ich habe mich bei ihnen entschuldigt, auf eine Art, die mir wichtig war. Zwischen uns ist Frieden. Gerade weil dieser Frieden da ist, kann ich heute klarer auf das schauen, was ich damals war: ein Mensch, der niemandem etwas Schlechtes wollte und der trotzdem viel Schaden angerichtet hat. ...

27. Mai 2026 · 3 Minuten · René Jochum
Die Narren, die aufeinander schauen und einander erkennen

Die Narren, die aufeinander schauen und einander erkennen

Der Narr ist eine der ältesten Figuren der Menschheit. Er trägt viele Namen — Schamane, Derwisch, Mystiker, Hofnarr. Was ihn verbindet: eine innere Freiheit, die äußere Verhältnisse überdauert. Er sieht anders und spricht aus, was andere verschweigen. Er ist unbuybar. Der Narr kennt das Wort Nein — zu sich und zu anderen. Seine Verwirrung ist sein Rohmaterial. Seine Klarheit, das Ergebnis. Man nennt sie Narren. Der Hofnarr hatte eine Funktion. Er durfte sprechen, was der König hören musste. Seine Andersheit war geschützt, weil sie der Wahrheit diente. ...

25. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum
Auch der geht vorbei

Auch der geht vorbei

Gestern hab ich mit der Familie einen Hund zu Grabe getragen. Wir haben ihn bis zum letzten Atemzug begleitet. Ein lieber, lieber Kämpfer — für seine Lieben. Ich hab der Familie Psalm 23 vorgelesen — damit sie sehen: auch das finstere Tal geht vorbei. Am Abend dachte ich: jetzt tu ich mir was Gutes. Ich bin feiern gegangen. Um sechs in der Früh ins Bett, direkt eingeschlafen. Um vierzehn Uhr wieder raus. Der Tag war depressiv. ...

24. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum
Geburtenrate – Gott erlaubt Fehler

Geburtenrate - Gott erlaubt Fehler

Die Geburtenrate sinkt. Alle reden über Geld und Wohnungen. Das stimmt. Trotzdem trifft es den Kern nicht. Der Kern ist Angst Menschen bekommen keine Kinder, weil sie sich die Zukunft nicht mehr vorstellen können. Weil sie glauben, sie müssten perfekt sein, um Eltern zu sein. Weil ein Fehler heute genügt, um disqualifiziert zu werden. So fühlt es sich an. Das erstickt. Was ich als gläubiger gelernt habe: Gott vergibt. Gott will sogar, dass wir Fehler machen, um daraus zu lernen. Das ist keine Schwäche. Das ist der Boden, auf dem ein Mensch überhaupt leben kann. ...

23. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum
Kickl sorgte mit seinem Sager am 1. Mai für Wirbel. (Bild: APA/FOTOKERSCHI.AT/KERSCHBAUMMAYR)

Die "gesunde Watschn" — ein politisches Armutszeugnis

Herbert Kickl fordert eine gesunde Watschn für Kinder. Das Adjektiv ist ein rhetorischer Trick. Es soll Gewalt zur Medizin machen. Als gäbe es eine kranke Watschn und eine gesunde. Als wäre die Grenze zwischen Erziehung und Misshandlung eine Frage der Dosierung. Ist sie nicht. Kinder können nie was dafür. Sie machen, was ihnen Eltern, Umgebung und Kultur beigebracht haben. Jedes “schwierige” Verhalten eines Kindes ist eine Botschaft über das System, in dem es lebt. ...

21. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum

Unterdrückte unterdrücken, freie machen frei

Ich schreibe das nicht aus der Theorie. Ich war lange genug Opfer, um zu wissen, wie sich das anfühlt von innen. Und ich habe selbst unterdrückt — Menschen klein gemacht, mich an ihnen entlastet, die Last weitergegeben, die auf mir lag. Beides gehört zu mir. Beides ist nicht zu beschönigen. Heute bin ich frei. Oder genauer: ich bin auf dem Weg. Ich versuche, ein Krieger des Lichts zu sein, im Sinne Coelhos — also einer, der fällt, wieder aufsteht, zweifelt, weitergeht. Kein Held. Ein Übender. ...

21. Mai 2026 · 2 Minuten · René Jochum